In Paris verstummen die Gerüchte nicht, daß es geheime Waffenlager gäbe, deren sich die Gegner des Regimes womöglich noch bedienen könnten. Dabei versteht es sich von selbst, daß eine Regierung, und welch eine es auch sein mag, sich bemühen muß, diese Lager aufzustöbern. Das ist vor allem die Aufgabe der Polizei. Und wir wissen, daß die Pariser Polizei sehr tüchtig ist: spürsinnig und (davon können die Studenten ein Lied singen) schlagkräftig.

Möglich, daß englischer Humor am Werke war, als der „Guardian“ vom Resultat einer polizeilichen Untersuchung im Pariser Quatier Latin trocken berichtete; will sagen: Die Geschichte ist gewiß nicht erfunden. Das Waffenlager wurde entdeckt. Aber dann trat Edgar Wallace hinzu, steckte sich eine lange Zigarre an, lächelte sanft, und es war ihm unmöglich, nicht gefesselt zu sein.

Die Polizisten entdeckten drei Pistolen und eine Flinte (Kleinkaliber). Freilich, das roch nach Pulver und Blei. Es ließ an die Angewohnheit der OAS denken, deren Mitglieder zur Zeit der Algerienkrise aus den Kasernen Schußwaffen „auszuleihen“ pflegten, die auch nicht immer die allermodernsten waren. Doch nicht genug damit: Die Revolutionäre, die nach Blut verlangen, scheinen sich auch an die Schrebergärtner gewandt zu haben: fünf Beile. Und aus dem Besitz bärtiger Studenten scheinen Waffen zu stammen, die sie noch aus bürgerlicher Vergangenheit aufbewahrt hatten: zwei Rasiermesser. Ferner sind zwei „feststehende Messer“ im Polizeibericht erwähnt, sowie „fünfzehn Keulen“ (was immer das sein mag). Stutzig macht, daß zuletzt „zwei Reitpeitschen“ gefunden wurden. Sollten wirklich Herrenreiter oder Jockeis mit den Revolutionären sympathisieren?

Bisher war es üblich, Flaschen, die mit Benzin oder irgendeiner fleckenerzeugenden Flüssigkeit gefüllt waren, den gefährlichen Namen „Molotow-Coctail“ zu geben. Der Waffenfund im Quartier Latin aber, der tief in die Vergangenheit, bis hinein in die Keulen- und Steinzeit zurückweist, belegt die Wahrheit, daß alles, was man nicht mehr gebrauchen kann, zu irgendetwas immer noch nützlich ist.

Wer Waffen sucht, der findet sie.