K.-H. W., London, im Juni

Seit der Kommerzialisierung der Presse macht es sich für einen Verleger nicht mehr bezahlt, jene Art von persönlicher Macht auszuüben, die Northcliffe, Rothermere und Beaverbrook seinerzeit besaßen. Wer für eine Sache zu Felde zieht, die auch nur einer größeren Minderheit seiner Leser völlig fernliegt, der riskiert den Gang der Geschäfte oder er macht einen Narren aus sich wie Beaverbrook oder Rothermere, als sie eine Konkurrenz zur Konservativen Partei gründen wollten.“ Das waren goldene Worte, gesprochen 1966 vom Chef des größten Zeitungsimperiums, das England je besaß. Leider war Cecil King, von dem sie stammen, selbst sein schlechtester Zuhörer. Denn schon ein Jahr später begann er eine Anti-Wilson-Kampagne im Stil seiner beiden Onkel Northcliffe und Rothermere.

Vor einem Monat schrieb er im „Daily Mirror“ einen Artikel unter der Überschrift: „Genug ist genug.“ Gemeint war die Amtsführung von Premierminister Wilson. Die 14 Direktoren der „International Publishing Corporation“ indessen deuteten die Überschrift anders. Wovon sie genug hatten, das war die Amtsführung von Chairman Cecil King. In aller Ruhe einigten sie sich, der Alte müsse gehen. Sie legten ihm per Post den Rücktritt nahe. King erhielt den Brief beim Rasieren und war, angeblich, völlig überrascht. Da er sich weigerte, freiwillig zu gehen, folgte gleichen Tag das Entlassungsschreiben.

Ohnehin zeigte King nach siebzehn Jahren unumschränkter Herrschaft über den „Mirror“-Konzern Zeichen altersstarrer Unbeweglichkeit. In einem Reich von über 200 Publikationen, mehrere davon mit Millionenauflagen, kann der Generaldirektor nicht alles selbst entscheiden.

Nach dem Gesetz, nach dem er antrat, ist Cecil King nun gegangen. Auch er hatte 1951 den Chef gestürzt, wegen Trunkenheit. Den eigenen Fall kommentierte er so: „Ich war immer unerbittlich gegen Leute, die zu lange an ihren Posten klebten. Wenn man jedoch austeilt, muß man auch einstecken.“