Gute zweihundert Stunden haben Arbeitgeber und Gewerkschaftsvertreter der Metallindustrie miteinander gerungen, dann hatten sie einen Kompromiß gefunden. Man einigte sich nicht nur über Lohnerhöhungen, sondern erstmals in einem großen Tarifbereich auch über ein Rationalisierungsschutzabkommen. Es soll Arbeitern und Angestellten die Angst vor der Maschine nehmen. Langjährige Betriebsangehörige brauchen in Zukunft nicht mehr zu fürchten, daß sie vom technischen Fortschritt überrollt werden. Umschulung, Versetzung an andere Arbeitsplätze oder Entschädigungszahlungen bei unvermeidlichen Entlassungen sind jetzt ein tariflicher Anspruch.

Das Rationalisierungsabkommen hat zwei Fragen klar beantwortet. Zunächst einmal – die deutschen Arbeitnehmer und ihre gewerkschaftlichen Vertreter sind keine Maschinenstürmer. Sie wissen, daß der technische Fortschritt zwar im Einzelfall Arbeitsplätze beseitigt, aber auch die Grundlage künftigen Wohlstandes ist. Sie wissen auch, daß nur moderne Arbeitsplätze sicher sind. Mit veralteten Maschinen kann man im Wettbewerb nicht bestehen.

Die Arbeitgeber dagegen haben gezeigt, daß sie sich berechtigten sozialen Forderungen nicht kompromißlos in den Weg stellen. Wie so oft wurden die weitgehenden Forderungen der IG-Metall zunächst mit lautem Wehgeschrei und ohne präzise Gegenvorschläge beantwortet. Schließlich raufte man sich aber doch zu einem für beide Seiten akzeptablen Abkommen zusammen.

Ideologen und Extremisten mögen diese Form der sozialen Auseinandersetzung verachten. Streiks und Krawalle machen dickere Schlagzeilen, bessere Ergebnisse bringen sie kaum. mj