Von Ingeborg Zaunitzer-Haase

Unruhe überall: Sie macht sich nicht nur unter Studenten und Schülern breit, nicht nur unter Bauern und Händlern. Neuerdings sind auch die deutschen Makler von ihr berauscht. Zwar gehen sie nicht auf die Straße, aber sie verbarrikadieren sich verbandsintern. Sie wollen auch niemanden enteignen, sondern im Gegenteil: sie wollen immer mehr Menschen zu Grundstücken und Gebäuden verhelfen.

Hauptursache der wachsenden Unruhe ist der Mangel an kaufenden Kunden. Immer mehr Häuser und Hänge stehen frei zum Verkauf. Die nach Jahren der Immobilien-Hausse ungewohnte Käuferzurückhaltung hat vor allem eine Ursache: den zunehmenden Wettbewerb anderer langfristiger Geldanlageformen. Vor allem das Angebot an ausländischen Investmentzertifikaten macht den deutschen Immobilienmaklern zu schaffen.

Überdies gehen immer mehr Haus- und Grundstücksverkäufe an den Maklern vorbei: Die großen Bauträger bringen ihre Reihen- und Serienhäuser und ihre Eigentumswohnungen oftmals ohne Einschaltung eines „provisionellen“ Vermittlers an den Mann.

So sehen sich die Makler allmählich gezwungen, über ihre eigenen Schatten zu springen. Sie müssen ihre Aufträge mit Kollegen austauschen, sie müssen kooperieren, sie müssen vor allem mehr als bisher bereit sein, die Provision zu teilen. Es wird immer schwieriger für sie werden, Verkäufer- und Käuferprovision zu kassieren. Auf eines von beidem heißt es verzichten.

In den beiden Maklerverbänden RDM und VDM wird heftig diskutiert und gerungen um die richtige Art, bestehende Kooperations-Einrichtungen zu beleben oder neue Kommunikationszentralen zu schaffen.

Die verbandsinternen Kämpfe sind hart, weil die meisten der bisher ausgedachten Objektaustauscheinrichtungen von Gefahren umlauert sind: Immobilienbörsen – wobei das Wort Börse im weitesten Sinne zu verstehen ist – könnten eine Vorstufe sein auf dem Wege, Käufer und Verkäufer direkt miteinander zusammenzubringen. Dabei wäre es denkbar, den Makler wenn nicht gar auszuschalten, so doch ihn in seinen Funktionen zu beschränken.