Im nächtlichen Ultraschallkrieg zwischen Fledermäusen und Nachtschmetterlingen entdecken Zoologen immer neue Waffen und Gegenwaffen. Seit langem ist schon bekannt, daß Fledermäuse mit Hilfe von Ultraschallechos in der Dunkelheit fliegende Insekten orten und fangen. 1962 legte Professor Kenneth D. Raeder an der Tufts-Universität in Medford in einer ausführlichen Arbeit dar, daß viele Nachtschmetterling die Eulenfalter, Spanner und Bärenspinner die Ultraschallschreie der Nachtjäger hören binnen. Durch Sturzflüge und andere Manöver versuchen sie dann, ihrem unsichtbaren Feind zu entkommen – oft mit Erfolg.

1965 entdeckten der amerikanische Zoologe und seine Mitarbeiterin Dorothy Covalt Dunning bei den drei Faltergattungen Arctiidae, Ctenuchinae und Pyrrharctia eine Art Ultraschallstörsender, mit dem die Tiere ihre Gegner ein bis zwei Meter vor dem Ziel zum Abdrehen zwingen konnten.

Der Ultraschallsender der Schmetterlinge arbeitet ziemlich einfach: Am Ansatz des dritten Beinpaares liegt beidseitig eine biegbare gerillte Chitinplatte über einem Resonanz-„Kasten“. Wenn das Insekt in schneller Folge die Beinmuskeln zusammenzieht und entspannt, geraten diese Platten in Ultraschallschwingungen. Sie sind zwar ziemlich leise, doch zwingen sie die Fledermaus, von ihrem Opfer abzulassen. Offenbar versteht der Nachtjäger dieses Ultraschallgeflüster als Warnung – aber wovor?

Frau Dunning hat es jetzt herausgefunden: Sowohl die Arctiidae als auch die Ctenuchidae besitzen nämlich einen widerwärtigen Duft und Geschmack. Fledermäuse spucken diese Schmetterlinge sofort wieder aus, wenn sie sie versehentlich verschluckt haben. Um Jäger und Opfer gleichermaßen vor solchem Ungemach zu bewahren, haben die ungenießbaren Falter ihren Ultraschallruf sozusagen als Fernanzeige ihrer Ungenießbarkeit entwickelt.

Davon profitiert nun die dritte der Nachtfaltergattungen, Pyrrharctia: Sie stößt auch Ultraschallrufe aus, wenn sie angeflogen wird und bleibt daraufhin verschont, obwohl sie den Fledermäusen als Nahrung zusagen würde.

Vitus Dröscher