Vor zwei Jahren faßten die Kaufhäuser freiwillig den Beschluß, bis Ende 1967 zugunsten des Facheinzelhandels auf die Errichtung neuer Filialen in Ortschaften mit einer Bevölkerung bis zu 200 000 Menschen zu verzichten. Als die Enthaltsamen jetzt Bilanz zogen, mußten sie feststellen, daß ihre Aktion ein völliger Fehlschlag war.

In die von den Kaufhauskonzernen offen gelassene Marktlücke haben sich die sogenannten Verbrauchermärkte gedrängt, ohne daß sich der Einzelhandel dieser Konkurrenz erwehren konnte.

Die Reaktion der Kaufhäuser ist eindeutig: „Nie wieder Expansionsstopp, denn heute müssen wir nun sehen, wie wir mit der neuen Konkurrenz fertig werden.“

Bisher gibt es in der Bundesrepublik rund 200 Verbrauchermärkte mit einer Verkaufsfläche von etwa einer Million Quadratmeter, die einen geschätzten Umsatz von jährlich etwa fünf Milliarden Mark haben.

Der Sprecher des Karstadt-Vorstandes, Dr. Hans Coenen, gibt sich optimistisch: „Wir sind seinerzeit auch mit den Ratio-Märkten fertig geworden, die mit Preisunterbietungen den Kaufhäusern Konkurrenz gemacht haben.“ Inzwischen müsse auch Ratio höher kalkulieren, so daß sich das Problem weitgehend von selbst gelöst habe.

Der Karstadt-Vorstand stellte die Frage, wie lange es sich Kunden gefallen ließen, in ausrangierten Straßenbahndepots oder Fabrikhallen bedient zu werden.

Dr. Coenen erhob außerdem den Vorwurf, daß die Verbrauchermärkte ihre Organisation unter Mißachtung gesetzlicher Vorschriften aufgebaut haben. So seien vielfach die hygienischen und Sicherheitsbestimmungen umgangen worden, die umgekehrt den Aufwand der Kaufhäuser belasteten. Auf längere Sicht müßten auch die Verbrauchermärkte ihre Kalkulation umstellen, zumal bereits die ersten Zusammenbrüche erfolgt seien.