Am Abend sagte der Reiseleiter der Düsseldorfer Gruppe im Hotelfoyer zu Paris: „Unsere lustige Einlage für heute abend, der Unterricht im Metrofahren, muß leider ausfallen. Es streiken einige Metrolinien, und wenn sie hier so streiken, dann weiß man nie, welche Linien nicht fahren, deshalb wird uns unser Bus zur Place Pigalle bringen.“

Am anderen Morgen hängen überall rote Plakate an den Häuserwänden: Travailleurs! La greve générale est à l’ordre du jour – En avant vers un nouveau 1936! Aus einigen Fenstern hängen rote Fahnen, die Düsseldorfer Gruppe fährt nach Versailles. Auf der Hinfahrt – „damit Ihnen die Zeit nicht so lang wird“ – erklärt der Reiseleiter die Französische Revolution von 1789. Die Autos stehen von der Place de L’Etoile bis zur Porte de Saint Cloud. „Welch ein Verkehr schwärmt die Dame vorn rechts, „vier Reihen nebeneinander...“ Der Reiseleiter erklärt: „Hier in dieser Stadt fahren 1,5 Millionen Autos und 15 000 Taxis und...“

Am Abend sagt der Reiseleiter im Foyer: „Den Besuch im Quartier Latin müssen wir leider verschieben. Die Studenten wollen demonstrieren. Es werden sicher einige Straßen für den Zug abgesperrt, vielleicht kommt es auch zu diesen Sitzstreiks, diesen Unfug kennen Sie ja auf Deutschland. Jedenfalls, wir wollen heute nicht mit dem Bus dort hinfahren. Ich bitte um Verständnis. Statt dessen werden wir eine Abendrundfahrt auf der Seine machen.“

An den Ecken schreien die Zeitungsverkäufer: „Six à huit millions de grevistes.“

„Spricht hier jemand Französisch fragt der Reiseleiter. Es spricht niemand Französisch. Nach der Seine-Rundfahrt will der Busfahrer ein Stück den Kai entlang. Hunderte von Gemüsekisten versperren auf einmal den Weg. „Sie sehen“, sagt der Reiseleiter, „auch die Müllkutscher streiken. So ist das nun mal in Frankreich: Immer wird irgendwo ein bißchen gestreikt...“ Die Zeitungsverkäufer rufen: „Huit millions de grevistes! und „A bas le régime gaulliste!“