Mögen Kunsthändler und Versteigerer über Materialverknappung stöhnen und glaubhaft versichern, daß es immer schwieriger werde, Spitzenobjekte der modernen Altmeister in die Hand zu bekommen – für Roman Norbert Ketterer sind solche Probleme offenbar nicht existent. Sein Lagerkatalog „Moderne Kunst V“, den er von Campione aus in die Welt schickt, ist die zehn Mark Schutzgebühr wert, die er kostet, und nicht nur für Sammler und Museumsdirektoren. 173 Werke sind auf den Farbtafeln reproduziert, Gemälde, die in den letzten Jahren auf vielen wichtigen Ausstellungen zu sehen waren und inzwischen den Weg zu Ketterer gefunden haben. Bedeutende Werke von Beckmann wie „Traum des Mädchens – Afternoon-Besuch“, das die Kunsthalle Bremen im Rahmen der Sammlung Lackner gezeigt hatte, wundervolle Heckel-Landschaften aus den Jahren 1907 bis 1913, die auf zahllosen „Brücke“-Dokumentationen vertreten waren, Kokoschkas „Louvre“, der früher in der Hamburger Kunsthalle hing. Kirchner, Nolde, Otto Mueller, die Modersohn, Munch vervollständigen das expressionistische Reservoir. Aber Ketterer hat auch aus den Reichen des Phantastischen Exquisites von Max Ernst, Magritte und Delvaux anzubieten. Seraphine und Vivin sind die Favoriten unter den naiven Malern. Sogar Egon Schiele, der Wiederentdeckte und Vielbegehrte, ist mit einem „Selbstbildnis im braunen Rock“ glänzend präsentiert. Kunstfreunde, auch wenn sie nur im Traum daran denken können, solche Bilder zu erwerben, werden an dem Band beträchtliches Vergnügen haben. Was die Bilder kosten, erfährt man auf Anfrage.

G.S.