Bei den Vietnamgesprächen in Paris scheinen sich beide Seiten vorige Woche für härtere Verhandlungen zu rüsten.

  • Der stellvertretende Chef, der US-Delegation, Cyrus Varce, reiste nach Washington, um mit Präsident Johnson über den Verlauf der Gespräche zu beraten.
  • Die nordvietnamesische Delegation wurde durch La Duo Tho (37) verstärkt, Mitglied des Politbüros in Hanoi, der über Peking und Moskau anreiste.

Während der bisherigen Treffen – das sechste fand Freitag voriger Woche statt – waren beide Seiten kaum über die Konfrontation ihrer gegensätzlichen Standpunkte hinausgelangt. Nur eine mikroskopische Annäherung hatte sich ergeben, als Hanois Unterhändler Thuy erstmals die Präsenz nordvietnamesischer Truppen in Südvietnam mit den Worten bestätigte: „Jeder Vietnamese hat das Recht, die Amerikaner zu bekämpfen, und zwar auf jedem Fleckchen seiner geliebten Heimaterde.“ Andererseits betonte Vance in Washington bei jeder Gelegenheit, „unsere erste Aufgabe ist es, den (amerikanischen) Bombenstopp und verwandte Themen zu diskutieren“.

Nach wie vor aber bestanden die Amerikaner in Paris auf dem Grundsatz der militärischen Deeskalation auf Gegenseitigkeit. Le Duc Tho wiederholte bei seiner Ankunft in der französischen Hauptstadt dagegen Hanois Forderung nach einer „bedingungslosen Beendigung“ der Luftangriffe,

Drei Wochen nach Beginn der Pariser Gespräche war man somit in der Sache noch keinen Schritt weitergekommen. Unterdessen praktizierte Hanoi seine Taktik des „Verhandelns und Kämpfens“. Saigon – seit längerem von Einheiten der Volksbefreiungsarmee infiltriert und berannt – geriet am Dienstag unter den bisher schwersten Raketen- und Granatwerferbeschuß. Erstmals heulten in der südvietnamesischen Hauptstadt die Luftschutzsirenen.