Die Internationale des studentischen Protests hat in der vorigen Woche alle Grenzen gesprengt. Von Berlin bis Dakar, von Oxford bis Beldgrad berannte das akademische Jungvolk die angestammten Autoritäten, Gesetze und Maßstäbe. Verschieden überall die Motive und Anlässe. Überall aber die gleiche Hoffnung: Brückenschlag zur Arbeiterschaft. Und fast überall der gleiche Effekt: Unverständnis und Repression der etablierten Gesellschaft und des Staatsapparates. Wir geben einen Überblick über die Brennpunkte des Geschehens:

BERLIN: Die Vollversammlung der Germanistik-Studenten beschloß, die Besetzung ihres Seminars („Rosa-Luxemburg-Institut“) aufzugeben. Zuvor waren bei einem Einbruch in das Immatrikulationsbüro der EU Blanko-Studentenausweise, 200 Amtssiegel und verschiedene Akten verschwunden. Die Kommune-Wohnung wurde daraufhin von der Polizei durchsucht, der Kommunarde Fritz Teufel vorübergehend festgenommen.

FRANKFURT: Nach der Besetzung der Johann-Goethe-Universität („Karl-Marx-Universität“) und dem Einbruch in das Rektorat ließ Innenminister Schütte die hessische Bereitschaftspolizei zum Gegenangriff antreten. Wegen des dringenden Verdachts auf Entwendung von Amtssiegeln, Urkunden und Akten wurde die SDS-Bundesgeschäftsstelle durchsucht.

HEIDELBERG: Die vorläufige Suspendierung des AStA wegen „fortgesetzten Amtsmißbrauchs“ (gemäß baden-württembergischem Hochschulgesetz) durch die Rektorin Professor Becke beantwortete eine Studentengruppe mit einer Teilbesetzung der Universität.

BELGRAD: Lang aufgestauter Unmut über Mangel an sozialer Sicherung und Zukunftschancen führte in der Studentenstadt Novi Beograd (Belgrad) aus nichtigem Anlaß zur Explosion. Etwa 2000 Studenten lieferten der Miliz, die Schußwaffen, Tränengas, Rauchgranaten und Schlagstöcke einsetzte, Pfingsten harte Straßenkämpfe und besetzten das Verwaltungsgebäude der Universität. Zwei Personen wurden durch Schüsse verletzt. Die Demonstranten forderten Demokratisierung der kommunistischen Partei und Nachrichtenmedien, Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit, Absetzung des Belgrader Polizeichefs und die Freilassung aller verhafteten Kommilitonen. Vermittlungsversuche hoher Parteifunktionäre schlugen fehl. Das Innenministerium der jugoslawischen Republik Serbien verbot am Dienstag alle Demonstrationen.

ROM: Eine Solidaritätskundgebung von 2000 Studenten mit den streikenden Kommilitonen und Arbeitern im Nachbarland („Frankreich ging voran – wir folgen“) und die Besetzung der Universität führte zu Zusammenstößen mit rechten Studentengruppen und der Polizei. Die Universität wurde zurückerobert.

DAKAR: Aus Protest gegen die Herabsetzung gewisser Stipendien okkupierten Studenten die Universität der senegalesischen Hauptstadt. Die Regierung ließ Schulen und Universität schließen, nachdem Polizei die Studenten mit Tränengas und Schlagstöcken vertrieben hatte.

OXFORD: 300 Studenten, angeführt vom „Komittee der 90“, rebellierten gegen die „Tyrannei der Proctoren“, eine Art Universitätspolizei älterer Studenten. Die Rebellen durchbrachen ein Eisengitter, belagerten das Büro der „Bulldoggen“ und forderten eine Revision der Disziplinarordnung. Grunc des Aufstandes: den Studenten war verboten worden, politische Flugblätter in Betrieben zu verteilen.