In Frankreich kamen nach den Pfingsttagen der öffentliche Verkehr und die industrieproduktion nur langsam wieder in Gang. In einer energischen Radioansprache verkündete Staatspräsident Charles de Gaulle die Auflösung der Kammer nebst Ausschreibung von Neuwahlen. Ein Wahlbündnis zwischen der Kommunistischen Partei Frankreichs und anderen französischen Linksparteien wurde erst für die Stichwahlen in Aussicht genommen. Bei der Neubildung der Regierung unter Georges Pompidou war der Positionswechsel zwischen dem bisherigen Außenminister Maurice Couve de Murville und Finanzminister Michel Debré besonders bemerkenswert. Die EWG-Landwirtschaftsminister einigten sich in Brüssel über eine Marktordnung für Milch, Milcherzeugnisse und Rindfleisch. In Italien verweigerte die bei den letzten Wahlen geschwächte Sozialistische Partei die Erneuerung der Koalition mit den Christlichen Demokraten.

Neuanfänge

Bei den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und FDP in Stuttgart zeigten sich erste Ansätze für eine Einigung. Die SPD ernannte ihren Minister Hans-Jürgen Wischnewski zum Bundesgeschäftsführer ihrer Partei. Mit 384 gegen 100 Stimmen billigte der Bundestag in namentlicher Abstimmung die Notstandsgesetze. Für Berlin forderte der Geschäftsführende CDU-Vorsitzende Karl-Heinz Schmitz Neuwahlen. Der vom VDS und vom SDS veranstaltete Kongreß „Politik, Protest und Widerstand“ wurde in Frankfurt nach unerwartet geringem Zuspruch vorzeitig abgebrochen.

Blickpunkt Belgrad

Zum erstenmal kam es in der jugoslawischen Hauptstadt Belgrad zu schweren Zusammenstößen zwischen Studenten und der Polizei. In Jugoslawien wurden neue Anzeichen für Spannungen zwischen Belgrad und Sofia wegen der Mazedonien-Frage registriert. Als seine erste Aufgabe bezeichnete Botschafter Peter Blachstein nach seiner Ankunft in Belgrad die Vorbereitung des Besuchs des Bundesaußenministers in der jugoslawischen Hauptstadt. Der durch Zwischenrufe provozierte Bundesminister Herbert Wehner brach seine Ansprache auf dem Pommerntag in Köln vorzeitig ab.

Prager Geschichten

Nach dem Ausschluß Antonin Novotnys aus dem ZK der tschechoslowakischen KP griff Alexander Dubcek seinen Vorgänger wegen dessen Verhalten in den „Säuberungsprozessen“ scharf an. Ein außerordentlicher Parteitag der tschechoslowakischen KP wurde für Anfang September einberufen. Zum drittenmal wurde in dem nordböhmischen Städtchen Hodkovice ein Denkmal des ersten tschechoslowakischen Staatspräsidenten Thomas Masaryk enthüllt. Ein Denkmal für Papst Johannes XXIII. wurde an dessen fünftem Todestag in Breslau eingeweiht. Die Friedensverhandlungen zwischen Nigeria und Biafra wurden abgebrochen.