Aufnahme: Erica Loos

Rudolf Walter Leonhardt

(Journalist, seit fünfzehn Jahren tätig für die ZEIT):

1 Wer sich informieren will, kann sich in der Bundesrepublik Deutschland – durch Funk, Fernsehen, in- und ausländische Presse, aktuelle Taschenbücher – so umfassend informieren wie in ganz wenigen anderen Ländern der Welt; einzige Ausnahme: „Ostblock“-Zeitungen wurden bisher, höchst überflüssigerweise, von der Obrigkeit dem normalen Staatsbürger praktisch vorenthalten.

Der reine Pragmatismus des internationalen Vergleichs scheint mir die am ehesten vernünftige Bezugsbasis für eine sinnvolle Antwort auf Fragen der Pressefreiheit. An Utopien gemessen, ist jede Wirklichkeit erbärmlich.

Sollte der Wunsch, sich umfassend zu informieren, in Deutschland weniger verbreitet sein als in anderen Ländern, so könnte dafür „die Presse“ nur zum Teil verantwortlich gemacht werden.

2 Natürlich gibt es eine Nachrichten-Manipulation. Es gibt mehr Nachrichten, als eine Zeitung drucken, ein Sender senden kann. Also müssen die Nachrichten ausgewählt, in die Hand genommen, „manipuliert“ werden.