Der Bürger August Homilius, Braunschweig, habe – so teilte die Stadt vor drei Jahren mit – zur Sicherung von Fußgängerüberwegen ein Verkehrszeichen entwickelt, das probeweise aufgestellt worden sei: fünf schwarze und weiße rotierende Blechtafeln in einem roten Rahmen.

Warum sollte auch das nicht einmal probiert werden? Nach der Aufwertung der Überwege durch die Lex Zebra am 1. Juni 1964 war viel herumexperimentiert worden: Einige Städte errichteten schraffierte Baken, andere bauten Lichtschleusen, Bielefeld empfahl den Fußgängern, gelbe Wimpel in die Hand zu nehmen. Redlich war man bemüht, dem Zebrastreifen auch faktisch jene Bedeutung zu geben, die ihm das neue Gesetz auf dem Papier verliehen hatte: Er war vom „Warnzeichen“ zum „Gebotszeichen“ erhoben worden.

Es war eine Verlegenheitslösung. Gedrängt von den Berliner Verkehrsbehörden – „wir kriegen die Leute nicht mehr über die Straße“ – einigten sich Bund und Länder, ein „Vortrittsrecht“ für Fußgänger zu schaffen. Man tat’s mit halbem Herzen; denn die klare Regelung etwa von Ampelsignalen (erst dürfen die einen, dann die anderen) konnte nicht erreicht werden, weil das Gebot gar nicht so strikt, sondern, je nach Situation, eigentlich nur bei gegenseitiger Verständigung gelten sollte. Motto: Vorsicht, Rücksicht, Einsicht. Und das soll mal einer regeln.

An den schwierigsten Stellen kommt man auf die Dauer nicht ohne Ampeln oder Polizisten aus. (Ideallösungen: Brücken oder Tunnels). An anderen könnten Zebrastreifen ihren Zweck erfüllen. Aber: früh genug erkennbar, nachts beleuchtet, deutlich angelegt. So sehen das auch die „Richtlinien für die sichere Führung des Fußgängerverkehrs“ (vom 13. Mai 1964), die davor warnen, zu viele Zebrastreifen anzulegen. Warum setzte man aber schon zwei Wochen später die Lex Zebra in Kraft? Die Stadt Osnabrück damals: „In Kraft gesetzt, bevor die technischen Voraussetzungen geschaffen waren.“ Essen: „Wir sind von dieser Verordnung überrascht worden wie alle Städte im Bundesgebiet.“ Bielefeld: „Es wurde festgestellt, daß von unseren 90 ungeregelten Überwegen 62 nicht den (neuen) Erfordernissen entsprachen.“

Und dann tat man hier und da zuviel: Zebrastreifen wurden auch an den Ampelübergängen aufgemalt. Die Logik war messerscharf: Wenn die Ampeln ausgeschaltet wurden oder ausfielen, erwachte der Streifen zu neuem, gesetzlichen Leben. Zu noch schärferer Logik drang manche Behörde nicht durch: Ampeln werden ausgeschaltet, wenn kein Verkehrsbedürfnis mehr vorliegt. Warum dann aber der Zebrastreifen?

Jetzt macht man sie wieder weg, aber nun tauchen Überwege auf, die im Rechtssinne keine sind. Als „optische Abgrenzung der Überwege sind sogenannte Dickstrichketten aufzutragen“, schreibt ein Regierungspräsident. Dickstriche sind 25 Zentimeter dick und 50 Zentimeter lang. Zur Kette werden sie durch 25 Zentimeter Abstand hintereinander. Zwischen ihnen soll man gehen, wenn die Ampel in Betrieb ist. Ist die Ampel aus, bedeuten sie gar nichts. Das bayerische Oberste Landesgericht hat es so erläutert: „Unter Fußgängerüberweg wird nicht jede Fläche verstanden, die zum Überschreiten der Fahrbahn durch die Fußgänger bestimmt ist, sondern nur die mit einem sogenannten Zebrastreifen gekennzeichneten Flächen.“

Wie sind die „rechtlichen Folgen“, wenn Kinder oder alte Menschen über die Straße gehen, weil sie die Dickstriche für einen etwas anders aufgemalten Zebrastreifen halten und ins Auto laufen?