FÜR berauschte, skeptische oder verwirrte Verehrer der „Grünen Insel“ (ob sie die Reise nun schon hinter sich oder erst vor sich haben) – Tony Gray: „5mal Irland“, aus dem Englischen von Ute Wiechern; R. Piper & Co Verlag, München; 341 S., 22,– DM.

ES ENTHÄLT die bisher gründlichste, umfassendste, faszinierendste Darstellung der Republik Irland, gegliedert in fünf Kapitel: über die Geschichte des Landes, über seinen bisher kurzen, aber ereignisreichen Weg in Richtung Wohlstand, über das geistige Leben (Sprache, Literatur, Zensur, Bildungswesen, Kirche), über „das Leben in Irland“ (Liebe, Essen, Gesetzgebung, Sport) und über die Iren im Ausland. Dazu kommen ein Register und Worterklärungen (denen leider die phonetischen Umschreibungen fehlen: Wie spricht man Cumarin na nGaedheal aus?).

ES GEFÄLLT als eine geglückte, von Informationen geradezu strotzende Reportage, in der sogar so scheinbar spröde Sujets wie Torfgewinnung, Fischfang, Transportwesen, Landwirtschaft zu spannenden Ereignissen werden – schon weil sie, neben vielem anderen, zu den Fundstellen dessen gehören, was man „das Wesen der Iren“ nennen kann. Zwar wird man am Ende auch nicht klüger sein als der irische, in London lebende Autor, der sagt: „Für eine Menge Menschen ist Irland ein unlösbares Rätsel.“ Aber wenigstens weiß man nun ungefähr, warum das so ist, warum sich zum Beispiel die Iren „von Natur aus wenig mit ihrer Gesundheit“ befassen, warum sie „ein Vorurteil gegen Wasser“ haben und ihren Whisky „fast pur“ trinken, warum sie mißtrauisch sind, warum „jede Art von Zwang bei den Iren sofortigen Widerstand auslöst“ und daß eben dies Nein-Sagen ein Element des irischen Lebens und der meist erschütternden, mitunter grotesken irischen Geschichte ist: Es gäbe vieles nicht, wenn es nicht unterdrückt oder verboten worden wäre. Manfred Sack