Die Jagd dauerte 64 Tage und ging durch fünf Länder. Sie endete am Sonnabend voriger Woche auf dem Londoner Flughafen Heathrow: James Earl Ray, alias Eric S. Galt, alias Georges Sneyd, mutmaßlicher Mörder des amerikanischen Negerführers Martin Luther King, wurde von Scotland Yards Meisterdetektiv Thomas Butler verhaftet.

6000 Beamte der amerikanischen Bundeskriminalbehörde FBI, die Royal Canadian Mounted Police, mexikanische und portugiesische Polizeibehörden, Interpol und Scotland Yard hatten sich an der Jagd beteiligt. Von Memphis, wo King am 4. April erschossen worden war, führte Rays Spur zunächst nach Mexiko, dann nach Kanada.

Kanadische Polizeibehörden überprüften an die 400 000 Paßanträge, bis sie auf ein Lichtbild stießen, das dem Steckbriefphoto Rays glich. Der dazugehörige Paß war in Ottawa auf den Namen Ramon Georges Sneyd, 35, Polizist, beantragt und am 24. April ausgehändigt worden.

Ein Mann namens Sneyd löste am 6. Mai eine Flugkarte nach London. Von dort führte sein Weg nach Lissabon. Am vorigen Sonnabend 6.10 Uhr traf er wieder in der britischen Hauptstadt ein. Um 7.50 wollte er mit einer BEA-Maschine nach Brüssel weiterfliegen. Doch bei der Paßkontrolle schlug Scotland Varel zu.

Ray, der bei seiner Verhaftung einen geladenen Revolver bei sich trug, wird nach britischem Gesetz der Paßfälschung und des unerlaubten Waffenbesitzes beschuldigt. Das Magistratsgericht in der

Londoner Bow Street, dem Ray am Montag bei einem Haftprüfungstermin vorgeführt wurde, ordnete eine Verlängerung der Untersuchungshaft um acht Tage an und bestellte einen Pflichtverteidiger. Der Leiter der Kriminalabteilung im US-Justizministerium, Fred M. Vinson, hat sich nach London begeben, um dort die Auslieferung Rays zu betreiben.