England schielt nach deutschem Gold – Harte Zeiten für ausländische Investmentverkäufer – Plisch und Plum streiten um den Sparbrief – Konservative Bundesbank? – Strauß verweigert Erhöhung der Kilometerpauschale

Harald Lever, Staatssekretär im britischen Schatzamt, dürfte ob der Hilfsbereitschaft überrascht gewesen sein, die ihm Bundeswirtschaftsminister Schiller und dessen Staatssekretär Johann Baptist Schöllhorn in der vergangenen Woche in Bonn bekundeten. Premierminister Harold Wilson hatte seinen höchsten für Währungspolitik zuständigen Beamten an den Rhein geschickt, um die Meinung der deutschen Regierung zu den neuen Schwierigkeiten des internationalen Währungssystems zu erkunden. Vor allem wollte er natürlich wissen, welche Rolle die Bundesrepublik bei der Überwindung der britischen Währungsmisere zu spielen gedenkt.

*

Auch der neue Weltbankpräsident Robert S. MacNamara – bis Anfang dieses Jahres amerikanischer Verteidigungsminister –hatte am gleichen Tage bei der Bundesbank in Frankfurt das auch für uns Deutsche so delikate Thema Währungspolitik erörtert. Die Ermordung Robert F. Kennedys veranlaßte MacNamara zum Abbruch der Gespräche. Ein Besuch bei Bundesbankpräsident Blessing kam nicht mehr zustande. Aber MacNamara steht bereits wieder für den 1. Juli auf Schillers Terminkalender.

Die Bundesrepublik ist also unversehens wieder in den Mittelpunkt der internationalen Währungspolitik geraten – nicht zuletzt wegen der Krise in Frankreich, die über Nacht den Franc, bis dahin eine der stabilsten Währungen der Welt, ins Wackeln brachte. Jetzt schielen Briten und Amerikaner wieder auf die hohen deutschen Devisenreserven. Unsere hohen Außenhandelsüberschüsse wecken die internationale Begehrlichkeit.

Als Schillers neuer Abteilungsleiter für „Geld und Kredit“, Dr. Wilhelm Hankel, Anfang März sein Amt übernahm, konnte er nicht wissen, daß außer dem Dollar und dem Pfund Sterling bald auch noch der Franc kränkeln würde. Noch im März hatte Schiller die Sprecher des deutschen Kreditgewerbes zu einem Gespräch eingeladen, weil er es für nötig hielt, die Kapitalausfuhr in irgendeiner Form zu beaufsichtigen. Er fürchtete, die Privatbanken könnten durch eine Zinsdifferenz von zwei bis drei Prozent dazu verlockt werden, ihre verfügbaren Mittel im Ausland anzulegen. Ein Anstieg der Kreditzinsen im Inland paßte aber keineswegs zu Schillers Bemühungen, den Konjunkturaufschwung zu sichern. Als das geplante Gespräch mit den Geldmännern am 20. Mai schließlich stattfand, war von einer Reglementierung der Kapitalausfuhr überhaupt nicht mehr die Rede. Kurz zuvor hatte übrigens „zufällig“ die Bundesbank einen Artikel zu diesem Thema veröffentlicht, der sich gegen solche Eingriffe aussprach.

Inzwischen hatte man im Wirtschaftsministerium aber längst eingesehen, daß uns nur noch ein kräftiger Kapitalexport aus dem Schußfeld angelsächsischer und anderer Währungsexperten bringen kann, die seit Monaten unentwegt eine neue Aufwertung der Deutschen Mark fordern.