Kaiserslautern

Das Kaiserslauterer Reisebüro Wolff sammelte „aufgebrachte Bürgerstimmen“ und warb zum Vorzugspreis von vierzehn Mark für eine Sonderfahrt in die Schwarzwaldgemeinde Dunningen. Einem ortsansässigen Arzt schien die Sache so wichtig, daß er für zehn Studenten Freikarten spendierte.

Die Ausflügler zog es nicht zu Tannengrün und Schwarzwälder Kirsch. Sie inspizierten auf freiem Dunninger Feld eine „Raumsäule“ in den Ausmaßen zehn mal drei Meter, geschaffen von Bildhauer Erich Hauser, die demnächst auf der „documenta“ in Kassel zu sehen sein wird.

Um diese Plastik ist in Kaiserslautern ein „Kulturkrieg“ entbrannt, zu dem die seit eh und je heikle Frage nach den Erkennungsmerkmalen von Kunst die nötige Munition lieferte. Vorausgegangen war die Empfehlung einer aus Experten und Ratsmitgliedern zusammengesetzten Jury, das Hauser-Werk der Stadt für 60 000 Mark zur Ausschmückung des Rathausplatzes zu sichern. Der Kulturausschuß hatte nach „gelindem Schock“, schließlich aber „fest in der Sache“ die Wahl unterstützt und zur Erörterung an das Parlament weitergeleitet.

Vermutlich wären über die Angelegenheit wenig Worte verloren worden, hätten sich die Sozialdemokraten, die über die absolute Mehrheit verfügen, nicht unvermittelt an die Grundsätze der „praktizierten Demokratie“ erinnert, wonach eine derartige Anschaffung der Mitsprache des Bürgers bedürfe. Die SPD-Initiative bewirkte unverzüglich ein kaum für möglich gehaltenes Echo. „Volkszeitungs“-Lokalchef Friderich zählte mehr Leserbriefe als „in den vergangenen zehn Jahren zusammen“. Braver Bürgersinn erklomm die Barrikaden und entrüstete sich darüber, daß an ungefähr der gleichen Stelle, an der Kaiser Barbarossa im frühen Mittelalter seine stolze Pfalz errichtet hatte, ein „Stahlkoloß hingestellt werden soll, das bestenfalls wie ein krummes Ofenrohr aussieht“.

In einer Forumsdiskussion verlas ein „Vertreter der Siedler und Eigenheimer“ eine Proklamation „im Namen von 11 000 Bürgern“, die die Arbeit Hausers wie alle anderen Plastiken, die zuvor zur Wahl gestanden hatten, als unerwünscht zurückwies.

Die „Volkszeitung“ suchte unter dem Kennwort „Rathaus-Schmuck“ in einem Preisausschreiben nach den originellsten Spitznamen. Einfall und Einfalt der Zuschriften erschöpfter, sich in „Barbarossa-Flöte“, „Blechblinddarm“ und „Kulturkonserve“.