Robert Francis Kennedy wurde am Sonntag auf dem Nationalfriedhof von Arlington zu Grabe getragen – nur wenige Meter entfernt von der letzten Ruhestätte seines ebenfalls ermordeten Bruders, des Präsidenten John F. Kennedy.

Das ganze Wochenende über hatte die amerikanische Nation Abschied von dem New Yorker Senator genommen. Vier Tage nach den tödlichen Schüssen von Los Angeles waren seine sterblichen Überreste nach New York übergeführt und in der St. Patricks-Kathedrale aufgebahrt worden. Über 150 000 Menschen zogen an dem Katafalk vorbei. Die Totenwache hielt Amerikas Prominenz, so New Yorks Oberbürgermeister John Lindsay, Gouverneur Nelson Rockefeller, die Exminister McNamara und Dillon, UN-Botschafter Goldberg, Negerführer Abernathy und Astronaut John Glenn.

Die Totenmesse, an der neben US-Präsident Johnson 2000 Trauergäste aus 50 Ländern teilnahmen, las der New Yorker Erzbischof Cooke. Senator Edward Kennedy, der letzte der vier Kennedy-Brüder, würdigte den Toten in einer kurzen Laudatio. Den letzten Segen spendete Kardinal Cushing, ein alter Freund der Familie.

Die New Yorker Philharmoniker unter Leonard Bernstein intonierten einen langsamen Satz aus Mahlers Fünfter Symphonie, als der Sarg aus der Kathedrale getragen wurde. Aufgebahrt auf der Plattform eines Aussichtswagens wurde der tote Senator dann mit einem Sonderzug nach Washington übergeführt. Hunderttausende säumten die Strecke.

Der letzte Weg durch die Bundeshauptstadt führte noch einmal an den früheren Wirkungsstätten Kennedys vorbei – am Justizministerium, in das ihn sein Bruder 1960 berufen hatte, am Senat, dem er seit 1964 angehört hatte, am Weißen Haus, in das er eigentlich im Januar 1969 einziehen wollte.

Bei den Primärwahlen hatte sich Kennedy um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei beworben – gegen Vizepräsident Humphrey und Senator McCarthy. Nach der überraschend deutlichen Niederlage in Oregon erfocht er am Dienstag voriger Woche einen klaren Sieg in Kalifornien. Im Ballsaal des Ambassador-Hotels zu Los Angeles nahm Kennedy gegen Mitternacht die Ovationen seiner Anhänger entgegen. „Auf nach Chikago und laßt uns dort gewinnen“, rief der Senator und bahnte sich seinen Weg zu einem rückwärtigen Saalausgang.

Die nächsten drei Minuten verwandelten den Jubel in jähes Entsetzen. Durch einen Kücheneingang, in dem sich die Menschen drängten, wollte sich Kennedy zu einer Pressekonferenz begeben – da trafen ihn die Schüsse. Aus nächster Nähe feuerte der 24jährige Jordanier Sirhan Bishara Sirhan aus einem 5,6-Millimeter-Revolver acht Kugeln ab. Außer Kennedy sanken fünf Begleiter verletzt zu Boden. Der Attentäter wurde sofort überwältigt.