K. H., Tel Aviv, im Juni

In Tel Aviv diskutierte der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Schütz mit Studenten und jungen Mitgliedern der israelischen Arbeiterpartei. Zunächst erkundigten sie sich diskret, ob sie eher kritisch oder lieber höflich sein sollten. Schließlich waren sie beides.

Im fernen Israel konnte Schütz – anders als daheim – mit gut informierten Studenten ungezwungen über Notstandsgesetze, NPD und Pressekonzentration sprechen. Mag das für ihn ungewohnt gewesen sein, so war die Veranstaltung für die Israelis außergewöhnlich. Denn es war das erstemal, daß ein Repräsentant der Bundesrepublik in dieser Form mit jungen Israelis diskutierte. Dennoch schien dieser Meinungsaustausch schließlich ebenso selbstverständlich wie die freundschaftlichen Plaudereien mit Außenminister Aba Eban, mit dem Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek, und den anderen Politikern, die der Regierende Bürgermeister während einer einwöchigen Reise traf.

Daß offizieller Besuch aus der Bundesrepublik trotzdem noch nicht zum politischen Alltag des jungen Staates gehört, verriet das starke Echo in der Presse. Höflich bis herzlich wurde Schütz überall empfangen. Doch die Decke des Vertrauens, auf der er sich als Repräsentant des „besseren Deutschlands“ bewegen konnte, ist noch immer dünn.

Die Meldungen, daß die Firmen Mannesmann und Thyssen auf Druck der arabischen Staaten Lieferungsaufträge gegenüber Israel nicht erfüllen wollten, schürten gerade in den Tagen des Besuches altes Mißtrauen.

Daß dennoch ein deutscher Politiker durch Israel reisen kann wie durch irgendein anderes befreundetes Land, das wird auf israelischer Seite vor allem dem Wirken eines Mannes zugeschrieben – des Botschafters Rolf Pauls.