In früheren Tagebüchern und Essays hatte Montherlant einen kräftigen Sinn für die alternierenden Wahrheiten, für den Widerspruch. Hier, im späten Tagebuch, vermißt man das Hin und Her einer reizvoll sprunghaften Reflexion. Immerhin gibt es auch Momente der Selbstironie, etwa wenn Montherlant berichtet, André Gide habe den Darstellern seiner Stücke niemals seine Bücher geschenkt, sondern Dinge, die ihnen mehr Freude machten, und zufügt: "Ich habe weiterhin den Darstellern meiner Stücke Bücher von mir geschenkt... und bin der Ansicht, daß Gide feinfühliger gehandelt hat als ich."

Im Vergleich zu den früheren Tagebüchern haben diese Aufzeichnungen etwas von einer mürrischen Selbstzelebrierung, nur erträglich durch eine Art naiver Unbefangenheit. Wer Montherlant nicht schon vorher geschätzt hat, der sollte ihm nicht zuerst in diesen Tagebüchern begegnen, die nur den unerschütterlichsten Verehrern unter seinen Lesern empfohlen werden können.

Ich selber habe mich am Ende dieser Lektüre als ein in seiner Verehrung ein wenig erschütterter Leser gefühlt.