Zur Gründungsversammlung traf sich am 10. Mai der Verein „Bild-Kunst“, der, so hieß es, ähnlich wie die GEMA es für Komponisten tut, die Rechte und finanziellen Ansprüche der bildenden Künstler wahrnehmen soll. Was dieser Verein wirklich ausrichten wird, muß sich erst noch herausstellen, daß seine Absichten nicht nur berechtigt, sondern im Rahmen unserer Ellenbogen-Gesellschaft beinahe allzu bescheiden sind, zeigt jetzt ein Blick in die Satzungen.

Die „Bild-Kunst“ will zunächst nicht mehr und nicht weniger, als dafür sorgen, daß auch die bildenden Künstler endlich etwas von den Segnungen des Urheberrechts zu spüren bekommen, von jenem § 26, demzufolge bei jedem Weiterverkauf eines Kunstwerkes dem Künstler oder dessen Erben ein Prozent (!) des Gesamterlöses erstattet werden muß. Man mag es zwar kaum für möglich halten, daß sich Kunsthändler oder Versteigerer um dieses eine Prozent (das sie ohnehin auf den Käufer abwälzen würden) zu drücken versuchen, aber die Bitte HAP Grieshabers in seiner Recklinghauser Preisrede, die Gewerkschaften möchten die Künstler doch bei der Durchsetzung ihrer Rechte unterstützen, sie war wohl nicht ohne Grund vor so prominenter Öffentlichkeit ausgesprochen worden.

In der Bundesrepublik finden: jährlich rund 400 Auktionen statt, bei einer Auswertung von nur 13 Katalogen des Jahres 1968 hat die „Bild-Kunst“ berechnet, daß, wenn überall korrekt abgerechnet wird, rund 46 000 Mark an Künstler oder ihre Erben gezahlt werden müßten. Um das Thema Reproduktionsrecht (zum Beispiel bei Kunstdrucken oder üppig bebilderten Kunstbänden) will man sich, so sagt es der Erste Vorsitzende Ludwig Becker, vorerst noch gar nicht oder nur „mit größter Vorsicht“ kümmern – die Beschäftigung mit dem einen Prozent wird zunächst die Bürozeiten durchaus füllen. P. K.