Nach den stürmischen Maitagen kommt Paris wieder zur Ruhe. Die Banken haben ihre Schalter geöffnet, und die Pariser Makler finden wieder den Weg zur Börse. Siebzehn Tage lang war sie geschlossen. Als sie am 7. Juni ihre Tore wieder öffnete, gab es jedoch nicht den erwarteten Sturm auf die französischen Aktien.

Die Franzosen, die nach der bewilligten Lohnerhöhung mit einer Inflation rechnen und eine Abwertung des Franc befürchten, sind vorsichtiger geworden und kaufen lieber ausländische Aktien. Eine Flucht aus dem Franc in schweizerische, deutsche und amerikanische Werte hat begonnen.

Zwischen dem 20. Mai, dem letzten Börsentag, und der Wiederöffnung der Börse am 7. Juni stieg beispielsweise der Kurs von Eastman Kodak um mehr als 21 und der Kurs von Bayer um 17 Prozent.

Für die französischen Aktien sind keine wesentlichen Veränderungen festzustellen. Lohnintensive Betriebe wie die Automobilindustrie, Elektroindustrie und die Metallindustrie sind von Kurseinbrüchen betroffen. Sie mußten Einbußen von 5 bis 10 Prozent hinnehmen. Demgegenüber stiegen allerdings die Kurse von konsumnahen Unternehmen wie Warenhäuser, Versandhäuser und Getränkefirmen um 6 bis 10 Prozent.

Der Angst vor einer Inflation oder Abwertung entspricht auch die Nachfrage nach Barrengold. Der Preis für ein Kilo stieg zuletzt am freien Goldmarkt auf 7 055 Franc (offizielle Parität: 5 555 Franc). Da der freie Pariser Goldmarkt auf Grund der Devisenbewirtschaftung von den übrigen Geldmärkten der Welt getrennt ist, sind Deckungskäufe im Ausland offiziell nicht möglich – der Goldpreis wird daher noch weiter steigen.

Deutsche Aktienkäufer, die sich im Frühling dieses Jahres stark in Paris engagiert hatten, sind ebenfalls enttäuscht. Sie hatten mit schnellen Wertsteigerungen gerechnet. Einige von ihnen mußten Verluste einnehmen.

Am Tage der Wiedereröffnung der Börse hatte der Franc gegenüber dem Dollar seine untere Interventionsgrenze erreicht. glp.