Die 99,44-prozentige deutsche Tochter des US-Telephonkonzerns International Telephone and Telegraph Corporation, die Stuttgarter Standard Elektrik Lorenz AG (SEL), hat sich in den beiden letzten Jahren „gesundgeschwitzt“. Ende 1965 beschäftigte die in der Elektroindustrie der Bundesrepublik an achter Stelle stehende Gruppe noch 37 300 Personen. Ende des letzten Jahres waren es fast 9000 Beschäftigte weniger. Die Werke in den Standorten Berlin und Stuttgart wurden stärker zusammengeschlossen, einige Zweigbetriebe aufgelöst, ein Beteiligungsunternehmen veräußert. Für die Fertigung der zahlreichen Produkte bildete die Verwaltung neue Schwerpunkte. So wurden die Fernsprech- und Übertragungstechnik – Säule des Geschäftes – mit den Bereichen „Kabel und Leitungen“ zu einer Geschäftsgruppe „Anlagen“ zusammengefaßt. Dazu kommen noch die Bereiche „Bauelemente“, sowie „Rundfunk, Fernsehen, Phono“. Die Datentechnik, die SEL seit einigen Jahren mit viel Mut und viel Verlusten betreibt, wurde aufgegeben.

Das Schwergewicht der Rationalisierungsbemühungen lag auf dem Konsumgütersektor (Rundfunk, Fernsehen, Phono), der im letzten Jahr am Gesamtumsatz mit gut 20 Prozent beteiligt war. SEL sah in dieser Sparte, die vor allem durch die Graetz-Gruppe und die Schaub-Lorenz Vertriebsgesellschaft vertreten wird, nur noch rot. In den beiden letzten Jahren entstanden Verluste von schätzungsweise über 40 Millionen Mark. Inzwischen hat sich die Lage wesentlich gebessert. Die Kapazitäten wurden der „geänderten wirtschaftlichen Situation“ angepaßt. Die Beschäftigtenzahl sank allein in diesem Bereich um gut die Hälfte auf 4300 Personen. Für 1968 rechnet man mit einem zumindest ausgeglichenen Ergebnis.

Der Erfolg aller Maßnahmen blieb schon im letzten Jahr nicht aus. Lagerabbau und Verringerung der Außenstände führten zu einem starken Rückgang der Schulden, der Betriebsgewinn war bedeutend besser als im Vorjahr. 1966 hätte SEL aus dem Überschuß fast 25 Prozent Dividende ausschütten können; 1967 wären auf das alte Kapital sogar gut 30 Prozent möglich gewesen. Das laufende Jahr schließlich dürfte ein noch besseres Ergebnis bringen. Eh.