Bonn

Zwischen den katholischen Studenten und Professoren der Pädagogischen Hochschule Bonn und dem Kölner Generalvikariat herrscht Kriegszustand. Offene Briefe, Transparente, Flugblätter und Presseerklärungen bezichtigen die Kölner Kurie „autoritären und antidemokratischen Verhaltens“, „einer nachkonziliaren Inquisition“ und der Verbreitung von Falschmeldungen. Das Generalvikariat konterte mit dem Vorwurf der „Oberflächlichkeit“ und der „Weitergabe von halben Wahrheiten“.

Der Streit geht um die Berufung des Reutlinger Professors Hubertus Halbfas auf den religionspädagogischen Lehrstuhl an der Pädagogischen Hochschule Bonn und um dessen moderne Methoden für den Religionsunterricht. Die Theologische Abteilung der Hochschule hatte Halbfas, der nach dem Urteil namhafter Theologen als anerkannter Vertreter seines Fachs gilt, dem Düsseldorfer Kultusministerium als ersten Bewerber für den vakanten Lehrstuhl vorgeschlagen. Das Ministerium berief Halbfas daraufhin nach Bonn, freilich – entsprechend den Bestimmungen des Preußischen Konkordats von 1929 – „vorbehaltlich“ der Zustimmung der kirchlichen Behörden. Diese erhoben jedoch „gravierende Bedenken“ und lehnten die Berufung ab.

Kultusministers Holthoffs Wunsch nach näherer Begründung wurde vom Generalvikariat abgelehnt, „weil es sich hier um entscheidende Glaubensfragen handelt, die allein in die Zuständigkeit der Kirche fallen“. Lediglich zwei Publikationen von Halbfas wurden erwähnt, ein Aufsatz in den Münchner „Katechetischen Blättern“ mit dem Titel „Über Wasser wandeln“ und sein Buch „Fundamental-Katechetik“. Das Generalvikariat befand sich mit dieser Entscheidung durchaus im Einklang mit den Konkordatsbestimmungen, die besagen: „Wie weit der Bischof in seiner Begründung, zu gehen vermag, bleibt ihm überlassen.“

Was die Bonner Studenten und Professoren dagegen in Harnisch brachte, war das Verhalten der Kölner Kirchenbehörden gegenüber dem Kondidaten Halbfas. Ihm wurden bis heute keine Gründe für seine Ablehnung mitgeteilt, noch gab man ihm Gelegenheit zu einem Gehör. Ein Brief des Professors an Kardinal Frings vom 25. Mai, mit der Bitte um eine Unterredung, blieb unbeantwortet. Statt dessen versuchte das Generalvikariat mit einer Nachrichtenmanipulation den Eindruck zu erwecken, als habe es bereits ein Gespräch über die beanstandeten Thesen von Halbfas gegeben. Der Professor tritt dieser Darstellung energisch entgegen. In der Tat habe er am 3. Februar mit dem Kölner Generalvikar Teusch gesprochen. Dieses Gespräch sei jedoch auf Wunsch seines Düsseldorfer Verlegers zustande gekommen, habe mehrere Wochen vor seiner Berufung nach Bonn stattgefunden und sollte lediglich bei der Kölner Kurie für sein Buch „Fundamental-Katechetik“ „um gut Wetter bitten“. Über das Buch wurde aber gar nicht gesprochen, da der Generalvikar „noch keine Zeile“ gelesen hatte. Wenn er die Lektüre nachgeholt hätte – so versicherte der Generalvikar – würde er von sich hören lassen. Seitdem sind mehr als vier Monate verstrichen.

Erbost sind die Professoren der Bonner Hochschule vor allem darüber, daß ausgerechnet Kardinal Frings sein Veto einlegte. Frings war es gewesen, der auf dem Konzil, unter dem Beifall der Konzilsväter, die früheren Methoden des Heiligen Offiziums angeprangert hatte, das ohne Anhörung der Autoren Bücher auf den Index setzte. Jetzt, so heißt es, falle das Kölner Generalvikariat in die Zeiten „doktrinaler Inquisition“ zurück.

Vermutlich trifft der Jesuitenpater Karl Breuning den Nagel auf den Kopf, der von der Sachkenntnis der Kirchenbehörden in theologischen Fragen nicht allzuviel hält: „Sie sind von diözesaner Verwaltungsarbeit so mit Beschlag belegt, daß sie kaum noch selbst mit allen heutigen Methoden und Einsichten theologischen Forschens, der biblischen Wissenschaften zumal, vertraut sein können.“ Und Professor Halbfas meint zu seinem Fall: „Man sperrt sich gegen einen theologischen Prozeß, der heute ansteht. Jedes Schulfach ist in einer gewissen Abhängigkeit von Forschung und Wissenschaft. Die Fachtheologen diskutieren unter Ausschluß der Öffentlichkeit, Weil ich ihre Thesen verstehbar mache, sind sie brisant.“ Am 14. Juni wird Halbfas in der Bonner Hochschule über „Die intellektuelle Redlichkeit im Religionsunterricht“ sprechen. Zur anschließenden Diskussion ist das Kölner Generalvikariat eingeladen. Aber alle Beteiligten rechnen damit, daß der Stuhl leer bleibt.

Ferdinand Ranft