Zu entfernt: Schon die Anreise mit dem komfortablen Schiff wird zur Erholung. Das älteste der Lübecker Fährschiffe ist vier Jahre alt, das jüngste vier Wochen. Die Fähren sind zwischen dreitausend und achttausend Tonnen groß, und ab September freuen sich Stewards und Stewardessen über jeden Gast.

Zu kalt: Niemand wird leugnen wollen, daß es im Dezember in Oslo, Stockholm und Helsinki kälter ist als in Neapel. Aber die Kälte ist angenehm trocken. Der Herbst an der Ostsee ist mild. Die Blumen blühen lange auf Gotland und Bornholm. Die Farbenpracht Lapplands in diesen Wochen ist berühmt. Der Frühling im Norden ist hell und sehr blauhimmelig.

Zu teuer: Skandinavien gehört zu den teuren Reiseländern. Das hat sich inzwischen sogar bei den Skandinaviern selbst herumgesprochen. Sie haben sich daraufhin etwas einfallen lassen, die Kapazitäten ihrer Schiffe und Hotels außerhalb der Saison besser zu nutzen. Es gibt Preisermäßigungen. Man zahlt nur noch die Hälfte. Die Fahrt von Lübeck nach Kopenhagen und zurück kostet zwischen dreißig und vierzig Mark, mit einer Hotelübernachtung in Kopenhagen um sechzig Mark. Nach Finnland und zurück kann man für hundert Mark reisen, wenn man sich mit einem Schlafsessel begnügt, in der Ersten Klasse kostet es 240 Mark. Die Hotels ermäßigen ihre Preise ebenfalls. In einem erstklassigen Hotel in Kopenhagen konnte man im letzten Winter ein Zimmer mit Dusche für knapp 20 Mark bekommen. Das ist weniger als die Hälfte des Saisonpreises. Auch winterfeste Bungalows werden zum halben Preis angeboten.

Wer interessiert sich also für den Norden, wenn die Angst vor Entfernung, Kälte und Preis geschwunden ist? Die Erfahrungen der letzten beiden Jahre zeigen: eine gemischte Gesellschaft.

Da sind die Rechner, die sagen: "Das nutzen wir aus." Lieber einmal bei etwas früherem Sonnenuntergang in Skandinavien als gar nicht.

Dann die Ruhebedürftigen, die sich für den Zwischenurlaub sofort nach Ankunft auf dem Bootsdeck eine Elbseglermütze aufsetzen und Tabakspfeife in den Mund und Hände in die Hosentaschen stecken.

Andere sind bloß neugierig: Wie ist das mit