Von Marietta Riederer

Mit Indianergeheul und „Lederstrumpf“ kündigt sich eine neue Mode an, vorneweg das „Ledergirl“. Leder ist „in“; denn Leder ist deftig, sportlich, strapazierfähig und konservativ, und eben das macht jetzt wieder Spaß. Leder geht zusammen mit Tweed, Flanell, mit Homespuns und mit Jersey. Es paßt zu Blusen aus Baumwolle oder Waschseide und zu komfortablen Pullis. Nicht zu vergessen: In Leder sieht man aus wie die draufgängerische Gespielin, mit der ein Super-Mann Pferde stehlen kann.

Der neue Trend „Indianer-Look“ wird in den USA zum Herbst lanciert. Schon tragen Top-Mannequins privat schmale, perlenbestickte Bänder über der Stirn zum krausen Haar. Eigensinnig suchen sie nach Indianerschmuck und echten bestickten Kitteln, die zu weiten midilangen Gaucho-Hosen und-Stiefeln passen. Die Weste ist im Moment das Beste in der Mode, zum kurzen Rock oder Hosenrock, und alles ist aus Waschleder, aus Ziegen-, Kalb- oder Schweinsleder. Mit der Schere geschnittene Fransen beleben Rocksäume, zieren seitliche Hosennähte oder schmücken die Passe an Lumberjacks. Selbst der dreiviertellange Auto-Coat aus Leder kommt als Evergreen mit Gürteln, Klippverschlüssen (und mit Blick auf den knielangen Tweedrock) in die Mode zurück.

Ein Leder-Herbst kündigt sich auch in Paris an. Yves Saint-Laurent war es, der schon vor einem Jahr den Anstoß dazu gab. Die Farben sind: Brasil- und Erdbraun, alter Cognac, Creme, Nougat, Blond und Elefanten-Grau. Amerika zeigt seinen Indianer-Look in mattem Leder. Leuchten soll nur das girl.

Bei uns jedoch macht mattglänzendes Antik-Leder zusammen mit ausgefallenen Knöpfen oder Schnallen Karriere. Modelle à la Motorsport aus der Zeit der Autoveteranen und der nicht umzubringende Western-Stil haben bei den Jungen den größten Erfolg. Die Erwachsenen greifen zu Schlichterem, lieben figurbetonende Pelzvelours-Mäntel, möglichst sportlich oder im östlichen Hirtenmantel-Stil.

Kein Zweifel, eine Mode, die sich nach Trachten oder Berufskleidung, gleich aus welcher Zeit oder aus welchem Land, richtet, gefällt auf Anhieb und hat in diesem Fall, trotz Leder, ganz und gar nichts Ledernes an sich.

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