Hollington K. Tong: „Chiang Kai-Shek“; China Publishing Company, Taipeh, 1953; 562 Seiten.

Der Autor, erfahrener Journalist und hohes Regierungsmitglied, stellt Tschiang Kaischek – im Chinesischen eigentlich Chiang Chiehshih – als Propheten des Antikommunismus dar. Nach seiner These hat Tschiang das chinesische Volk zweimal vor einer „vollkommenen Katastrophe“ bewahrt – zuerst vor der japanischen Fremdherrschaft, dann vor der Ausdehnung der kommunistischen Herrschaft über das ganze Volk. Die Gründung des „Freien China“, der „Republik China“, auf Taiwan sei nämlich die letzte Rettung Chinas gewesen und ermögliche es, die Wiederherstellung der nationalen Einheit mit dem Festland vorzubereiten. Merkwürdig ist die Neigung des Biographen, Dr. Sun Yat-sen (1866-1925), der heute in Taiwan offiziell als „Vater der Nation“ („Kuo-fu“) verehrt wird, als zwielichtige Figur erscheinen zu lassen. Tong gibt zu, „ein ausgesprochener Verehrer des Generalissimo“ zu sein, der jedoch Tschiangs Fehler nicht übersehe, sie aber auch nicht übertreibe. Ein zweibändiges Sammelwerk des heute 82 Jahre alten Staatsmannes („Chiang Tsungt’ung-chi“) ist 1961 in Taipeh herausgegeben worden. Ein Pendant dazu: der Sammelband ausgewählter Reden von Frau Tschiang, einer Vollblutpolitikerin: „Selected Speeches 1958-1959“ (The Office of the President, Taipeh, 1959; 187 Seiten).

Lily Abegg: „Vom Reich der Mitte zu Mao Tse-tung“; Reihe „Die Zeitgeschichte im Bild“; Verlag C. J. Bucher, Luzern, 1966; 208 Seiten.

Die angesehene Journalistin, die viele Jahre in Asien, insbesondere in Peking, verbracht hat, macht sich die anerkennenswerte Mühe, ein objektives Bild von Mao zu entwerfen. Vor dem historischen Hintergrund und an Hand von Schriften und Gedichten Maos schildert die Biographin den Werdegang des am 26. 12. 1893 geborenen Staatsmannes. In dieser ersten illustrierten Geschiente der letzten 150 Jahre Chinas (über 170 Photos!) wird anschaulich dargestellt, wie Mao das Ute China auf den Weg des Fortschritts gebracht und dem einst ruhmvollen „Reich der Mitte“ wieder zu Weltgeltung verholfen hat, vor allem aber, warum dies nur Mao und nicht Sun Yat-sen oder Tschiang Kai-schek gelungen ist. Mao hatte erkannt, daß die Zustände in China nicht durch Reformen, sondern nur noch durch eine Revolution geändert werden konnten. Abegg komm allerdings zu dem Schluß: „Mao ist mit zunehmendem Alter unrealistisch geworden und nimmt heute große Risiken auf sich. Offenbar kann er nicht über seinen revolutionären Schatten springen. Er stellt deshalb aus außenpolitischer Gründen eine Gefahr für die Welt dar.“ Als ergänzende Literatur seien die Biographie Chiang Ch’ings, der jetzigen Frau Maos (Chung Hua-min): („Chiang Ch’ing Cherigchuan“; Hongkong, 1967; 197 Seiten) sowie die soeben erschienene handliche und aktuelle Mao-Biographie von Grimm empfohlen (Tilemann Grimm: „Mao Tse-tung in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten“; rowohlts monographien 141, Reinbek, Juni 1968; 181 Seiten).

„Park Chung Hee – Staatspräsident der Republik Korea“; Verlag: The Korean Republic, Seoul, o. J.; 47 Seiten.

Der Autor dieser offiziellen Biographie bleibt ungenannt. Das sprachliche Niveau der deutschen Ausgabe läßt leider sehr zu wünschen übrig. Park Chung Hee, der spätere 5. Präsident Südkoreas, wurde am 30. September 1917 „als der sechste und letzte Sohn“ eines „einfachen Bauernherrn“ in einem „ganz armen Strohdachhaus“ geboren. Armut und bäuerliche Herkunft bedeuten in Korea Pluspunkte für Politiker, und der einstige Offizier der japanischen Armee weiß dies wohl zu schätzen. Er verschweigt auch nicht, daß er eine Zeitlang Volksschullehrer war, ehe er in die Militärschule eintrat, denn der Pädagogik haftet in Korea ein besonders hohes Berufsethos an. In dieser Biographie wird Park als kluger Schüler, gewissenhafter Lehrer und patriotischer Soldat porträtiert. Patriotismus auch sei das Motiv gewesen, als er am 16. Mai 1961 die militärische Revolution gegen „Korruption und politische Unfähigkeit“ des alten Regimes anführte. Seine Reden und „Betrachtungen zum sozialen Wiederaufbau“ sind in einem ins Deutsche übersetzten – und besser lesbaren – Band unter dem Titel „Ein Weg für unser Volk“ (Seoul: Dong-a Verlag, 1964; 277 Seiten) enthalten, über das Leben und die Regierungsmethoden des Präsidenten erfährt man viel aus dem Buch „Seven Years with Korea’s Park Chung-hee“ von Kim Chong-shin. (Seoul: Hollym Corporation, 1967; 306 Seiten).

Man Stil ya: „Hero General Kim II Sung“; Chosun Shinbo-sa, Tokio, 1962; 47 Seiten.

Kim Ilsong, auch Kim Ilsung oder Kim Ir sen (russisch) transkribiert, ist Partei-, Regierungs- und zugleich Armeechef von Nordkorea. Der prominente nordkoreanische Schriftsteller Han stellt in dieser, ebenfalls propagandistisch gefärbten, Biographie seinen „Helden“ als ein Wunderkind, einen leidenschaftlichen Patrioten, einen antijapanischen Partisanenführer und einen kommunistischen Ideologen vor. Der am 15. April 1912 geborene Kim leitete bereits als 14jähriger Schuler die revolutionäre Untergrundbewegung der Komsomolorganisationen. Von der Mandschurei aus kämpfte er gegen Japan, bis er im Jahre 1945 „siegreich“ nach Korea zurückkehrte. Seine Schriften sind in dem sechsbändigen Sammelwerk „Kim Ilsong Sonjip“ (P’yongyang, 1960–1963) und auf englisch in den zweibändigen „Selected Works“ (Foreign Languages Publishing House, P’yongyang, 1965) enthalten. Die Lektüre des Aufsatzes über „North Korea’s Mysterious Kim Ilsong“ in der Zeitschrift „Communist Affairs“ (März–April 1964, Los Angeles) und die ausführlichen Angaben über „Kim Ir Sen“ in „Bolshaja Sovetskaja Enziklopedija“, 2. Auflage, Bd. 20 (1953) ermöglichen ein abgewogenes Urteil über den jetzigen Alleinherrscher von Nordkorea, der inzwischen sowohl für Peking als auch für Moskau unbequem geworden ist. Während Han Jaedok in „Kim Ilsong ul Kobalhanda“ („Ich klage Kim Ilsong an“, Seoul, 1965) Kim zur „Marionette“ degradiert und Pak Sanghyok in „Choson Minjok ui widaehan yongdoja“ („Der große Führer der koreanischen Nation“, P’yongyang/Tokio, 1965) ihn als einen großen Patrioten lobpreist, liefert Motoi Tamaki eine um Objektivität bemühte, höchst aktuelle politische Biographie Kims: „Kin Nichisei no shiso to Kodo“ („Gedanken und Verhalten Kim Ilsongs“, Tokio, Mai 1968; 380 Seiten).