Optimismus, das ist das Wort, das am besten unsere Stimmung für die nächste Zukunft ausdrückt; kein überschäumender Optimismus, aber doch ein sicherer.“ William S. Vaughn, Aufsichtsratsvorsitzender des größten Photokonzerns der Welt, bekundete dies auf der Hauptversammlung der Eastman Kodak Comp., Rochester/New York. Die Perspektiven sind günstig. In den USA, wo die Gesellschaft etwa 70 Prozent des Umsatzes erzielt, wird das Wachstum der Photoindustrie auf mindestens 10 Prozent pro Jahr veranschlagt. US-Hobby Nummer 1, die Amateurphotographie, zieht Jahr für Jahr neue „Knipser“ an. Eine Marktsättigung ist noch in weiter Ferne. Rund 95 Prozent aller US-Familien verfügen über Radio- und Fernsehgeräte, aber erst gut die Hälfte der Haushalte besitzt einen Photoapparat – und nur jede fünfte Familie hat bisher eine Filmkamera.

Noch günstiger erscheinen die Aussichten im Ausland. Allein in Westeuropa – Kodak wickelt hier gut zwei Drittel seiner Auslandsumsätze ab – erwartet man bis 1975 eine Verdoppelung des Photo-„Konsums“. Der Pro-Kopf-Verbrauch im Photosektor beträgt zum Beispiel in der Bundesrepublik erst rund ein Drittel der US-Ausgaben. Mit den Instamatic-Kameras, die im Jahre 1963 von Kodak selbst als „das größte Ereignis“ gefeiert wurde, das man seit der Einführung des Farbfilms im Jahre 1935 erlebt hat, ist der US-Konzern bestens im Markt. Bisher wurden in aller Welt über 20 Millionen Stück abgesetzt. Und Instamatic-Kameras erfordern Kodapak-Schnelladekassetten, die heute selbst von der größten Konkurrenz in Lizenz nachgebaut werden.

Das Geheimnis des Kodak-Erfolges ist vor allem: aktive Forschung und intensives Massenmarketing. Von Rochester heißt es, daß dort mehr Doktoren herumlaufen als Bürojungen. In der Tat sind gut 5 Prozent der Belegschaft Wissenschaftler und Techniker; etwa 6 Prozent des Umsatzes werden jährlich für die Forschung ausgegeben. Das Ergebnis: Hundert neue Produkte in einem Jahr sind keine Seltenheit. Das Ziel des Gründers George Eastman lautete: „Die Verwendung einer Kamera muß ebenso einfach werden wie der Umgang mit einem Bleistift.“ Der Konzern mit der gelb-roten Firmenfarbe scheint nahe daran zu sein. Eh.