Von Ruth Herrmann

Opas Schulhausrat lebt noch: Wandtafel und Kreide, die Landkarte, das Skelett im Schrank, der Globus, ausgestopfte Tiere und der Riesenzirkel aus Holz. Alles das ist in den Schulen auch heute noch nicht entbehrlich. Entbehren können unsere Schulen nicht einmal das, was längst durch Besseres und Moderneres ersetzt werden könnte. Denn Lehrmittel, besonders fortschrittliche, kosten viel Geld. Und unseren Schulen fehlen die Mittel zur Anschaffung von Lehrmitteln, die dem Enkel das Leben leichter machen könnten, als es Opa einst hatte.

So eröffnete denn die Europäische Lehrmittelmesse „didacta“ in Hannover, soweit sie grundlegend Neues zeigte, einen Blick nach Utopia. Welcher deutsche Schüler hat schon das Glück, vom glasklaren Bild eines „Overhead-Projektors“ abzulesen, was der Lehrer der Klasse zeigt oder aufschreibt? Immer noch sehen die meisten unserer Schulkinder zu, wie ihr Lehrer in umständlicher Handarbeit, den Rücken zur Klasse, mit Kreide auf die Tafel schreibt und zeichnet. Immer noch verschwenden Lehrer und Schüler ihre Zeit, weil hundertmal Geschriebenes und Dargestelltes wieder und wieder hingeschrieben und hingezeichnet werden muß.

Professor Dr. Heribert Heinrichs von der Pädagogischen Hochschule Hildesheim sagt: „Die Ausstattung einer Schule mit Lehr- und Lernmitteln ist das A und O unserer gegenwärtigen Schulreform. Moderner Unterricht in einer modernen Welt sieht sich einer immer umfangreicher werdenden Stoffülle gegenüber. Ein Schüler im Jahre 1968 muß 60 Prozent mehr lernen als vor dreißig Jahren, eine Generation vorher. Die Stoffmassen in unseren Lehrplänen können nur durch exemplarisches Lernen, durch Spezialisierung der Schüler auf bestimmte Fächer und Lehr- und Lernmittelhilfen bewältigt werden.“

Er fährt fort: „In Untersuchungen an der Pädagogischen Hochschule konnte nachgewiesen werden, daß entscheidend von der Güte und vom Umfang der Lehr- und Lernmittel abhängt, wie leicht, wie erfolgreich ein Schüler heute lernt. Lehr- und Lernmittel aktivieren, forcieren und intensivieren den Lernprozeß. Schneller, leichter, besser – das sind die Ergebnisse eines gezielteren und konsequenteren Lehr- und Lernmitteleinsatzes in den Schulen. An der Größenordnung eines Lehrmitteletats erkennt man die Qualität und Leistung unserer Schule. Wie man Hygiene eines Landes am Seifenverbrauch ablesen kann, so die Bildungsintensität am Lehrmitteleinsatz.“

Demnach geht es unseren Schulen nun leider recht dreckig. Es gibt in der Bundesrepublik Schulen, die pro Jahr und Klasse ganze zwanzig Mark für Lehrmittel ausgeben können. Wenige glückliche Schulen haben für Lehrmittel einen Etat von zweitausend Mark jährlich. Der Durchschnitt – man errechnete das in Hildesheim – kommt auf 125 Mark. Kein Wunder also, daß Opas Wandtafel noch lebt und rationelle Methoden, mit denen man mehr und leichter lernt, vorläufig noch Wunschträume der meisten Lehrer und Schüler sind.

Finanziell gesegnete pädagogische Provinzen seien bei uns so selten wie Landschaftsschutzgebiete, meint der Hildesheimer Professor, Fachmann für audiovisuelle Bildungsmittel, Mittel also, die dem Schüler mit Bild und Ton das