Von Ben Witter

Ich wartete in der Halle des Henriettenstiftes. Es war eine Minute vor elf. Landesbischof Hanns Lilje kam auf mich zu und sagte: „Warum machen Sie so ein unzufriedenes Gesicht?“

„Das weiß ich gar nicht“, sagte ich. „Ich habe mich verspätet“, sagte der Landesbischof. Ich schüttelte den Kopf: „Es ist Punkt elf.“

Ich machte ein anderes Gesicht. Wir fuhren zum Maschsee. Der Landesbischof legte seine große Zigarre in den Ascher und zog sich, als sein Fahrer an der verabredeten Stelle hielt, bequemere Schuhe an.

Er machte kleine, feste, sichere Schritte. Ich sagte: „Herr Landesbischof, schon 1946 wurde viel über Sie geschrieben; und wieviel ist in den letzten zweiundzwanzig Jahren über Sie geschrieben worden, und Sie konnten fast mit jeder Zeile einverstanden sein.“

Er versuchte ein paar größere Schritte zu machen, und sagte: „Vielleicht bin ich einer, dem man damals trauen konnte und dem man heute noch traut.“ Der Landesbischof schaute zuversichtlich auf den geraden Weg. Dann glitten seine Blicke über den See.

Ich sagte: „Sie haben außer Theologie noch Kunstgeschichte studiert.“