Die Volksaktionäre der ersten Stunde – die Preussag wurde als erstes Bundesunternehmen privatisiert – müssen sich auch für 1967 wieder mit 7 Prozent Dividende begnügen. Dennoch: der wirtschaftliche Hintergrund der diesjährigen Gewinnausschüttung sieht günstiger aus als im Vorjahr. Die Dividende wurde nicht nur verdient, es konnten auch wieder Reserven gebildet werden. „Das Konjunkturtief und die Talsohle liegen hinter uns“, erklärte Vorstandssprecher Dr. Krämer und bekannte sich zum Konjunkturfrühling, der „von einzelnen Eisheiligen und kalten Sophien abgesehen“ wieder ausgebrochen sei. Zwar ist der Gesamtumsatz der Preussag nicht mehr nennenswerter gestiegen. Statt dessen führten die in der Flaute durchgeführten Rationalisierungsmaßnahmen teilweise zu wesentlichen Verbesserungen im Betriebsergebnis.

Im Mittelpunkt stand eine grundlegende Neuorganisation im Konzernmanagement. Mit dieser Neuordnung der Verantwortlichkeiten und Informationswege sollten die Fesseln der alten Bergwerks- und Hüttentradition abgestreift und den Erfordernissen eines modernen, stark diversifizierten Konzerns angepaßt werden. Deutliche Erfolge wird man erst auf längere Sicht erwarten dürfen.

Das Jahr 1967 zeigt dennoch, daß die Umorganisation relativ reibungslos vonstatten ging: Im NE-Metallbereich, der wertmäßig ein Drittel des Preussag-Fremdumsatzes bestreitet, wurde das Ergebnis verbessert. Die Steinkohlenförderung verzeichnete bei gleichzeitigem Haldenabbau erstmals wieder eine Zunahme. Auch der Verkehrsbereich des Konzerns behauptete sich erfolgreich im verschärften internationalen Wettbewerb. Erhöhte Erdgasförderung, erholter Wasser- und Rohrbau, zufriedenstellender Baubereich sowie Umsatzsteigerungen in der Chemie sind weitere erfreuliche Meldungen. Neue Diversifikation, aber auch die Bereitschaft zur Kooperation mit fremden Partnern gehören zu den wesentlichen Bestandteilen künftiger Unternehmenspolitik.

Neben dem Vorstoß in die Kohlensäureanwendung werden der Plastiksektor und die Petrochemie als zukunftsträchtige Bereiche angesehen. Da die Chemie bei der Preussag vorerst nur 7 Prozent des Fremdumsatzes ausmacht, wird man hier auf lange Sicht mit erheblichen Gewichtsverschiebungen rechnen können. Die breite Risikostreuung erlaubt der Preussag bedächtiges Vorgehen. Für 1968 ist die Verwaltung optimistisch. Krämer ließ durchblicken, daß eine höhere Dividende wieder im Bereich des Möglichen liegt. gr