Am Sonntag „ratifizierte“ die Familie Messerschmitt das Verhandlungsergebnis: In Süddeutschland soll der Zusammenschluß der deutschen Luftfahrtindustrie beginnen. Die Firmen Bölkow und Messerschmitt werden zur „Messerschmitt-Bölkow GmbH“ fusionieren.

Damit entsteht im Süden mit 12 200 Beschäftigten das größte Unternehmen der Luftfahrtindustrie; der Jahresumsatz der beiden Firmen betrug 1967 zusammen 524 Millionen Mark.

Die Zahl der größeren Luftfahrtunternehmen verringert sich nun auf vier: Messerschmitt-Bölkow, Vereinigte Flugtechnische Werke, Dornier und Hamburger Flugzeugbau.

Als die seit über zwei Jahren laufenden Fusionsverhandlungen zum Jahresende auf einen toten Punkt kamen, rüstete sich die Bölkow-Gruppe zum Alleingang. Während der Luftfahrtschau in Hannover kündigte Ludwig Bölkow die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft mit einer strafferen Organisation an.

Vorher waren September letzten Jahres bereits Fusionsverhandlungen zwischen den beiden größten Luftfahrtfirmen Bölkow und den Vereinigten Flugtechnischen Werken (VFW) auf Beschluß der VFW-Gesellschafter abgebrochen worden. VFW verhandelt seitdem mit dem Hamburger Flugzeugbau.

Inzwischen drängten nun Bundestag und Bundesregierung die Luftfahrtindustrie, sich zu international konkurrenzfähigen Unternehmen zusammenzuschließen. Am Montag sollten die Luftfahrt-Manager Staatssekretär Schöllhorn im Bundeswirtschaftsministerium Vorschläge machen.

Die Minimallösung im Süden befriedigt in Bonn offenbar nicht ganz. Weitergehende Lösungen wurden angeblich jedoch durch zu hohe Beteiligungsforderungen des Krupp-Chefs Vogelsang verhindert.