Von Wolfgang Müller-Haeseler

Vor dem 20. Juni 1948 kostete eine Zigarette in den drei westlichen Zonen des geteilten Deutschlands sechs bis acht Reichsmark. Nach diesem Datum, dem Geburtstag der deutschen Mark, war ein ganzes Päckchen für etwa ein Drittel dieses Preises zu haben. Und 20 Jahre später fragte ein Amerikaner in New York seinen deutschen Freund, der eine Schuld von 8000 Mark mit 20 Hundert-Dollar-Scheinen beglich, ganz entsetzt, warum in aller Welt er denn keine D-Mark mitgebracht habe. Angesichts der Schwäche des Dollars wäre ihm die deutsche Währung viel lieber gewesen.

Damit ist das eingetreten, was vor 20 Jahren wohl selbst die Väter der neuen deutschen Währung nicht erwartet hatten: die Deutsche Mark ist heute eine der begehrtesten Währungen der Welt, und es gibt wohl kaum noch ein Land, in dem man nicht seine Rechnung neben Dollar und Pfund auch mit D-Mark bezahlen kann. In Währungskrisen flüchtet „heißes Geld“ in die Schweiz oder in die Bundesrepublik. Und wenn von einer Neuordnung des internationalen Währungssystems die Rede ist, gehen fast alle Experten stillschweigend davon aus, daß die Deutsche Mark von den großen Währungen der Welt am wenigsten abwertungsgefährdet ist. Im Gegenteil, aus Ländern, deren Währungen unter Druck stehen, wie zum Beispiel das englische Pfund, kann man immer wieder die Aufforderung hören, die D-Mark sollte gegenüber den anderen Währungen aufgewertet werden.

Ist die Deutsche Mark tatsächlich so gut wie ihr Ruf? Ein internationaler Vergleich von zehn Währungen der freien Welt zeigt, daß sie tatsächlich in der Spitzengruppe der Währungen rangiert. Sie wird aber immer noch – trotz aller Schwierigkeiten der amerikanischen Währung – vom Dollar übertroffen.

In unserer Untersuchung haben wir drei Faktoren bewertet: Das Verhältnis der Gold- und Devisenreserven eines Landes zu seinen Importen im vergangenen Jahr, Wechselkursänderungen, Parität, also die Veränderung der Währungen zum Gold und damit zu dem an das Gold gekoppelten amerikanischen Dollar und den Kaufkraftschwund der Währungen in den letzten 20 Jahren. Dabei hat es sich gezeigt, daß die Gold- und Devisenreserven der Deutschen Bundesbank nur knapp 41 Prozent der deutschen Importe decken. Damit liegt die Bundesrepublik erst an fünfter Stelle der zehn Währungen. Hier rangiert die Schweiz mit einer Deckung von 86,7 Prozent weitaus an der Spitze und – ein wenig unerwartet – selbst die italienischen Devisenreserven sind bei dieser Betrachtungsweise noch größer als die deutschen.

Bei der Betrachtung der Wechselkursrelation der Währungen haben wir für je 5 Prozent Auf- oder Abwertung einen Plus- oder Minuspunkt gegeben. Hier wirkt sich die Welle der Abwertungen aus dem Herbst 1949 aus, die der Abwertung des englischen Pfundes folgten. Die Stärke der Währungen zeigte sich damals bereits in dem Ausmaß, mit dem die einzelnen Währungen der Abwertung des Pfundes um 30,5 Prozent folgten. So brauchte die Schweiz den Kurs ihres Franken nicht zu ändern, während die junge deutsche Währung eine Abwertung zwar nicht vermeiden konnte, dem englischen Pfund aber nur mit zwei Dritteln des Abwertungssatzes folgte. Den meisten Bundesbürgern ist diese Abwertung der D-Mark allerdings kaum noch in Erinnerung, denn wer bekam damals schon Devisen in die Hand? Dieser Schritt hatte damals für die meisten mehr einen verwaltungstechnischen Charakter als irgendwelche praktische Auswirkungen.

Beim Kaufkraftvergleich der einzelnen Währungen haben wir den Zeitraum der letzten 20 Jahre unterteilt. Damit sollen auch neuere Entwicklungen in den einzelnen Ländern berücksichtigt werden. In den ersten zehn Jahren nach 1948 büßte der französische Franc zum Beispiel 86 Prozent seiner Kaufkraft ein, während es in den folgenden fünf Jahren bis 1963 nur noch 25 Prozent und in den letzten fünf Jahren von 1963 bis 1968 sogar nur noch 15 Prozent waren.