Von Werner Höfer

Was aus Deutschland, dem unteilbaren, aber geteilten, und aus dem 17. Juni, dem abzufeiernden Feiertag, werden mag – er müßte es wissen. Denn Dr. Wilhelm Wolfgang Schütz, seit mehr als zehn Jahren Geschäftsführender Vorsitzender des Kuratoriums „Unteilbares Deutschland“, ist durch Neigung und Auftrag gehalten, über deutsche Fragen nachzudenken. Eine dieser Fragen, politisch keineswegs die entscheidende, kalendarisch freilich die nächstliegende:

„Wie sollen, wie wollen, wie werden wir künftig den ‚Tag der deutschen Einheit‘ feiern?“

„Als Feiertag werden wir ihn in diesem Jahr wohl zum letzten Male in der bisherigen Form begehen. Ich nehme an, daß der Bundestag beschließen wird, den 17. Juni künftig nicht mehr als arbeitsfreien Tag zu behandeln. Das würde nicht ausschließen, daß sich die Deutschen an diesem Tag Gedanken machen über die deutsche Einheit. Eine kurze Arbeitsruhe, eine Verkehrspause, vielleicht sogar Veranstaltungen mit Diskussionscharakter am Arbeitsplatz: Das könnte dem Sinn des Tages mehr entsprechen als Pflichtkundgebungen und Herrenpartien.“

„Was halten Sie von der häufig vorgebrachten, aber bislang verworfenen Idee, den Verdienst der deutschen Wirtschaft von diesem Tag einem nationalen Zweck zuzuführen?“

„Diese Idee halte ich für einleuchtend – mit der Einschränkung, daß man diesen Verdienst, der von Fachleuten auf mehrere Millionen Mark geschätzt wird, nicht nur zur Förderung gesamtdeutscher Projekte festlegen sollte. Wir könnten auf übernationalem Felde aktiv werden, etwa durch Gründung einer Stiftung, die zur Verwirklichung der Menschenrechte beiträgt. Da gibt es zwischen Vietnam und Biafra, zwischen dem Nahen Osten und Südamerika manche Aufgabe, bei deren Bewältigung mitzuwirken uns Deutschen wohl anstünde. Eine solche humanitäre Aktivität würde unsere Glaubwürdigkeit vor der Welt heben. Selbstverständlich wäre mit den Summen, die durch solch eine freiwillige Verzichtsleistung zusammenkämen, auch auf deutschem Boden mancherlei zu tun, etwa in den Zonenrandgebieten oder bei der innerdeutschen Kulturpflege. Jedenfalls ist es besser für die deutsche Sache, am 17. Juni sinnvoll zu arbeiten, als gedankenlos zu feiern.“

„Dieser Vorschlag läßt erkennen, daß bei den Überlegungen zur Deutschland-Frage Illusionen von Pragmatismus abgelöst worden sind. Das Kuratorium ‚Unteilbares Deutschland‘ ist nicht ohne Schuld an den Fehlern der Vergangenheit und nicht ohne Verdienst an den Entwicklungen der Gegenwart.“