Wie man rebellische Studenten besänftigt, ohne dabei das Gesicht zu verlieren, hat am vorigen Wochenende der jugoslawische Staatspräsident Tito vorexerziert. In einer Rundfunk- und Fernsehansprache erklärte er: „Jetzt verspreche ich den Studenten, daß ich mich für die Lösung ihrer Probleme aus vollem Herzen einsetzen werde, und bitte die Studenten, mir dabei zu helfen. Sollte ich mich als unfähig erweisen, diese Probleme zu lösen, dann werde ich von meinem Posten zurücktreten.“

Die seit Anfang voriger Woche revoltierenden Studenten dankten es ihrem Präsidenten. Sie billigten das politische Aktionsprogramm, das sie zusammen mit den zuständigen Behörden und Parteiorganisationen ausgehandelt hatten. Inhalt: 1. Abzug der Polizei und Miliz aus dem Universitätsviertel Novi Beograd; 2. Freilasung aller inhaftierter Studenten und Garantie der Straffreiheit; 3. Bestrafung aller Beamten, die für die Unruhen verantwortlich seien, und Veröffentlichung eines Sonderberichts über die Tumulte; 4. Garantie einer objektiven und umfassenden Information der Öffentlichkeit über die Ziele der Studenten.

Anschließend brachen die Studenten die Besetzung der Universitätsverwaltung und verschiedener Fakultäten ab. Das neugegründete Aktionskomitee blieb weiter bestehen, um eine stärkere Beteiligung der Studenten am politischen Geschehen durchzusetzen.

Unter dem Druck der Studentenrevolte hatte die jugoslawische Bundesregierung schon am vorigen Freitag beschlossen, 1. den sozialen Wohnungsbau mit einer Milliarde Neuen Dinar und großzügigen Krediten anzukurbeln; 1. die Mindestlöhne von 150 auf 300 Dinar zu verdoppeln; 3. 50 000 bis 70 000 unbeschäftigten jungen Leuten bis Ende 1968 einen festen Arbeitsplatz zu verschaffen und 4. die Stipendien von etwa 12 000 Studenten zu erhöhen.