England und Frankreich haben in der vergangenen Woche die währungspolitische Notbremse ziehen müssen.

  • England, das trotz einer seit Jahren anhaltenden Wirtschaftskrise an der Leitwährungsfunktion des Pfund Sterling festhält, schöpfte seine Kreditmöglichkeiten beim Internationalen Währungsfonds mit der Aufnahme von 1,4 Milliarden Dollar bis zum letzten Cent aus.
  • Frankreich, dessen Staatspräsident de Gaulle mit der Rückkehr zum reinen Goldstandard die Vormachtstellung des Dollar brechen wollte, wurde durch die Unruhen und Streiks der vergangenen Wochen gezwungen, selbst die Hilfe des bis dahin verachteten Internationalen Währungsfonds mit einem Kredit von 745 Millionen Dollar in Anspruch zu nehmen.

Trotz der Abwertung im November 1967 zeichnet sich noch keine Sanierung der britischen Zahlungsbilanz ab. Die hohen Verpflichtungen gegenüber ausländischen Notenbanken erzwangen die Aufnahme des Kredits beim Währungsfonds.

Darüber hinaus hat Schatzkanzler Jenkins einen seiner Fachminister nach Bonn geschickt, um über die Auflegung einer englischen Anleihe über 500 bis 700 Millionen Mark zu verhandeln. Dieses Geld würde die englische Zahlungsbilanz entlasten und zugleich die Überschüsse der deutschen Zahlungsbilanz mindern. Schließlich verhandelt England mit der Baseler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich über einen kurzfristigen Dreijahreskredit über 600 bis 700 Millionen Pfund Sterling.

Frankreich hat neben dem 745-Millionen-Dollar-Kredit Devisenkontrollen eingeführt, die eine Abwanderung des französischen Kapitals ins Ausland verhindern sollen. Im Mai sind die Gold- und Devisenreserven Frankreichs um fast fünf Prozent auf 5,72 Milliarden Dollar geschrumpft.

Die Devisenkontrollen sind unter Berufung auf Notbestimmungen des EWG-Vertrages erlassen worden. Die EWG-Kommission in Brüssel kann allerdings nach eingehender Prüfung verfügen, daß diese Maßnahmen abgeändert oder aufgehoben werden müssen. mh