Nach der Absage der FDP entschloß sich in Stuttgart die SPD-Landtagsfraktion zur Beteiligung an einer Regierung der Großen Koalition. Die baden-württem- bergischen Regierungspartei- en entschieden sich in ihrem Koalitionsabkommen für baldige Durchsetzung eines mehrheitsbildenden Wahlrechts. In Rom wurde der christlichdemokratische Parteisekretär Mariano Rumor mit Sondierungsgesprächen für eine Regierungsbildung beauftragt. Wegen der innenpolitischen Schwierigkeiten in Frankreich, Italien und Belgien wurden mehrere Ministerratssitzungen in Brüssel und Luxemburg abgesagt. Der neuerlich verschärfte Sozialkonflikt in Frankreich führte in mehreren Städten zu schweren Straßenkämpfen zwischen der Polizei und demonstrierenden Arbeitern und Studenten.

Östlich vom Brandenburger Tor

Die SED verschärfte mit der Einführung eines Paß- und Visazwanges im Interzonenverkehr die Spannung auf den Zufahrtswegen nach Westberlin. Auf einer Plenartagung des ZK der SED wurden Vorschläge für eine Demokratisierung des Sozialismus scharf zurückgewiesen. Über eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Tschechoslowakei und der UdSSR verhandelte eine Prager Regierungsdelegation in Moskau. Der Kreml protestierte mit einer Note in Prag gegen Presseberichte über die angebliche sowjetisch unterstützte Flucht des CSSR-Generals Sejna in die USA. Der DGB-Vorsitzende Ludwig Rosenberg besuchte als Gast der sowjetischen Gewerkschaften die Sowjetunion. Zwischen Polen und Nordvietnam wurde ein wirtschaftliches und militärisches Beistandsabkommen unterzeichnet.

Bonn–Wien–Belgrad

In der österreichischen Hauptstadt wiederholte der Bundesaußenminister seine Nürnberger Formel von der Respektierung der Oder-Neiße-Linie bis zum Abschluß eines Friedensvertrages. Als erster Außenminister traf Willy Brandt nach einem Zwischenaufenthalt in Wien in Belgrad ein. Um den Preis seiner Demission versprach der jugoslawische Partei- und Staatschef Josip Broz Tito den Studenten und Arbeitern eine weitgehende Erfüllung ihrer Forderungen. Die Arbeitsämter in Nordrhein-Westtaten unternahmen neue Anstrengungen zur Anwerbung jugoslawischer Gastarbeiter, Nach dem Bericht der Nürnberger Anstalt für Arbeitsvermittlung kehrte der Zustand der Vollbeschäftigung in das Wirtschaftsleben der Bundesrepublik zurück.

Atom und Pistole

Mit zurückhaltenden Äußerungen über den Kriegsausgang verabschiedete sich der amerikanische Oberkommandierende General William Westmoreland in Saigon. Mit 92 gegen vier Stimmen empfahl der politische Ausschuß der Vollversammlung die Annahme des Atomsperrvertrags. Ein Gesetz zur Bekämpfung von Gewaltverbrechen mit unzulänglichen Bestimmungen über die Schußwaffenkontrolle wurde vom amerikanischen Repräsentantenhaus angenommen. Die israelischen Behörden erlaubten dem Vater des Kennedy-Attentäters Sirhan Bishara Sirhan die Ausreise nach Amerika. Der des Mordes an Martin Luther King verdächtigte Amerikaner James Earl Ray wurde auf einem Londoner Flughafen gefaßt