Kurt Ziesel, das Geschäftsführende Vorstandsmitglied der Deutschland-Stiftung, hat sich von dem Satz der ZEIT getroffen gefühlt: „Eine Stiftung, die die Namen Deutschland und Adenauer usurpierte, hat den Bogen überspannt.“ Aus Breitbrunn/Chiemsee hat er uns eine Gegendarstellung geschickt. Sie lautet:

„Sie behaupten in Ihrer Ausgabe vom 17. Mai, die Deutschland-Stiftung habe den Namen Adenauers usurpiert. Das ist unwahr. Die Deutschland-Stiftung hat sich den Namen Adenauers nicht rechtswidrig angeeignet, sondern die Genehmigung dazu vom verstorbenen Bundeskanzler Konrad Adenauer schriftlich und mündlich erhalten, und er hat auch nach der vorjährigen Preisverleihung trotz der gegen die Stiftung geführten Angriffe sich weiterhin hinter uns gestellt und die Deutschland-Stiftung mit seinem Namen als Ehrenpräsident und Namensgeber der Adenauer-Preise gedeckt.“

Ziesel geht davon aus, daß „usurpieren“ nur die Bedeutung „widerrechtliche Aneignung“ besäße. In diesem eingeschränkten Sinne kann man in der Tat nicht von Usurpation sprechen. Konrad Adenauer hat der Verwendung seines Namens zugestimmt, wenngleich unter merkwürdigen Umständen; er habe, so bekundete er am 8. März 1967, die Urkunden „unterschrieben, ohne sie zu lesen, weil ich in großer Eile war“.

Es bleibt indes Tatsache: Eine Gruppe von Leuten hat sich den Namen Deutschland-Stiftung angemaßt und verwendet den Namen Adenauer in einer Weise, die das Andenken des toten Kanzlers verdunkelt. Nicht umsonst hat der bayerische Ministerpräsident Goppel die Verschiebung der diesjährigen Preisverleihung bewirkt; und nicht umsonst hat die Familie Adenauer in einem besorgten Brief an Goppel an das Ziel erinnert, das Konrad Adenauer mit dem Preis verbunden habe – nämlich „die Pflege der christlichkonservativen Weltanschauung im fortschrittlichen Sinne“. Ob die Deutschland-Stiftung sich wirklich zu solch konservativer Fortschrittlichkeit bekennen kann, solange ein Mann wie Kurt Ziesel ihr Geschäftsführendes Vorstandsmitglied bleibt?

Was übrigens den Vorwurf anbelangt, die Stiftung habe den Namen „Deutschland“ usurpiert – das hat Ziesel nicht dementiert. Jedes Emailschild mit dem Bundesadler, das vor einem Finanzamt hängt, soll jetzt unter besonderen strafrechtlichen Schutz gestellt werden. Aber der Begriff Deutschland ist vogelfrei. D. Z.