Stichwort „zweifelhaft“ – Mißverstandene Autorität – Abitur am Dreikönigsgymnasium

Von Nina Grunenberg

Köln

Die um sich greifende Renitenz der Schüler und die allgemeine Ratlosigkeit der gelernten Pädagogen nahm in diesem Jahr schon mancher Abiturfeier den gewohnten Glanz. So auch im 518 Jahre alten humanistischen Dreikönigsgymnasium in Köln – eine Schule, die an dieser Stelle schon einmal von sich reden machte, als über den Autoritätskonflikt zwischen dem Primaner Wolfgang Schmitz und seinem Direktor Gottfried Rick zu berichten war („Der schlimme Gottfried“, ZEIT Nr. 8 und 9/1967).

Es darf vermutet werden, daß die damaligen Ereignisse mit zu den Dissonanzen vom vergangenen Mittwoch führten, als Direktor Rick 51 Abiturienten ins Leben entlassen sollte. Denn unter ihnen befand sich auch Wolfgang Schmitz, ein Schüler, der im Lehrerkollegium wegen seines – in jenen Tagen – erwachten politischen Engagements und Interesses an Schülergewerkschaften, Demonstrationen und Agitationen als ein von linken Kräften mißbrauchter, irregeleiteter Idealist galt. Unter ihnen befand sich auch sein Bruder Christoph, den die Lehrer zwar den „Harmonischen“ nannten, der ihnen aber auch – nur auf andere Weise – nicht geheuer war: Die Brüder charakterisierten an der Schule die beiden Pole der jugendlichen Bewegung.

Wolfgang war das politisch-agitatorische Element, Christoph verkörperte eher die sanfte Gewalt der Blumenkinder und verstand es obendrein noch, durch seine Kenntnisse in der Gegenwartsliteratur und seine Fertigkeiten beim Tubablasen zu verblüffen. Beide gehörten zu den fünf Besten der Abiturientia 1968 des Dreikönigsgymnasiums. Aber hauptsächlich ihret- und ihrer Anhänger in den drei Oberprimen wegen traf Direktor Rick schon frühzeitig umfangreiche Vorkehrungen, um Störungen während der Abiturfeier zu verhindern.

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