Damals gebaut, heute beschrieben:

Von Manfred Sack

Es kommen ständig Besucher, „aus allen Ländem“, wie der Bauer Röders sagt. Es sind Studenten, Architekten, Leute auch, die etwas ungläubig dem Hinweis folgen, zwischen dem Grunzen und Blöken von Schweinen und Rindvieh und dem Geruch von Mist sei ein Gegenstand der Baukunst zu finden.

An den Gegensatz von Bauernhöfen nach Urväter Art und von hochmodernen Vieh- und Getreide-„Fabriken“ gewöhnt, können sie hier tatsächlich eine Entdeckung machen. Was sich da in dunkelroten Klinkern, weiß-grauen Betonstürzen, dunkelgrün gestrichener Holzverkleidung zeigt, ist schon aus dem einen Grund aufregend: daß ein Architekt aus der Großstadt angeworben wurde, auf einer Wiese Architektur zu machen – für einen Bauern.

Einen Katzensprung neben der Vogelfluglinie, etwa fünfzehn Kilometer nördlich von Lübeck, liegen die Gebäude, eine bäuerliche Burg mit leicht expressionistischen Zügen. Sie liegt am Ufer des Pönitzer Sees und ist umgeben von Weideland und von mächtigen Bäumen. Wann immer von „landschaftsgebundenem Bauen“ die Rede ist, muß man diese Gebäude als Beispiel zitieren: das Gut Garkau, benannt nach einer alten Flurbezeichnung, berühmt durch seinen Architekten Hugo Häring (1882 – 1958).

Wer Namen nennt wie Ludwig Mies van der Rohe (mit dem er befreundet war, dessen Ansichten er jedoch nicht teilte), Hans Scharoun oder Erich Mendelsohn (denen er am ehesten verwandt war) oder Walter Gropius (dessen Sachlichkeit er anders verstand), der muß auch ihn erwähnen.