Von Hilke Schlaeger

Als ich aus Polen zurückkam, fragten die Leute: „Na, wie war’s?“ Und dann fragten sie noch: „Wie redet man denn da?“ Daß einer an die spanische Riviera fährt, mit nichts als Kölsch als Umgangssprache, das wundert keinen. Aber nach Polen?

„Haben Sie denn keine Angst?“ fragte der junge Konsulatsbeamte, der das Visum ausstellte. „Sie wissen doch, wie man bei uns über die Deutschen denkt.“ Er sagte es bei einem Glas Wodka in der polnischen Militärmission in Berlin. Und er war erstaunt, als ich langsam erwiderte, so sicher sei das gar nicht. Und außerdem dächten die Polen doch auch mal an etwas anderes als an Deutschland.

In Polen hörte ich die Frage zum zweitenmal. Der Beamte bei der Fremdenpolizei, bei dem ich mich anmelden mußte, saß unter einem freundlich-farbenfrohen Plakat vom Wintersport in Zakopane, lächelte mich an und forschte: „Hatten Sie denn keine Angst, nach Polen zu kommen?“ Er bot mir eine Zigarette an. Ich lächelte zurück, sagte „danke“ wegen der Zigarette und „nein“ wegen der Angst.

Die nächste halbe Stunde unterhielt sich der Polizist mit meiner Dolmetscherin. Dann wünschte er mir „einen schönen Aufenthalt“. Ich fand ihn sehr freundlich und lächelte zurück.

Draußen hörte ich dann, was er in der halben Stunde alles gesagt hatte: über die Deutschen; und daß er die deutsche Sprache nicht mehr hören könne, seit damals; und daß er jetzt Deutsch lerne, weil es doch sehr nützlich sei, wegen der Touristen aus der DDR.

Ich fand das nicht sehr konsequent. Aber ich war gewarnt: Gleich hinter der allgemeinen liebenswürdigen Höflichkeit sitzt das Mißtrauen. Mit der Zeit wurde mir die Mischung aus Handkuß und Seitenhieb ganz selbstverständlich.