Erich Diederichs, Vorstandsmitglied der Edeka-Zentrale, hat vor kurzem den Kaufleuten seiner Genossenschaftsorganisation in Wiesbaden ein ungeschminktes Bild ihrer Zukunftsaussichten gegeben. In den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren wird nach seiner Ansicht jedes dritte Edeka-Geschäft aufgegeben. Von den 38 148 Geschäften, die Ende 1967 bestanden, würden dann nur noch rund 25 000 übrigbleiben. Eine harte Sprache, aber sie ist ehrlich.

Die Angehörigen einiger anderer Berufe werden von ihren Verbänden nicht immer so ehrlich unterrichtet. Dem Kumpel an der Ruhr hat man jahrelang weiszumachen versucht, es werde bei der Kohleförderung des Jahres 1957 bleiben. Den Bauern möchte der Berufsverband immer noch einreden, wenn sie nur lautstark demonstrierten, werde die bäuerliche Welt ziemlich unverändert erhalten bleiben.

Als Ursachen des unaufhaltsamen Strukturwandels auch in der Landwirtschaft sucht die Führung des Bauernverbandes ihren Mitgliedern nicht etwa die revolutionären technischen Neuerungen und betriebswirtschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte hinzustellen. Die jeweilige Bundesregierung sei verantwortlich, so behauptet der Verband.

Muß man da noch fragen, wer einsichtsvoll und wer töricht handelt, wer die Leistungskraft unserer Volkswirtschaft mehrt und wer sie schwächt? ks