Belgrad und Bonn hatten die jugoslawische Reise von Bundesaußenminister Willy Brandt fünf Wochen lang geplant. Doch Ostberlin brachte das Besuchsprogramm noch in der letzten Minute durcheinander. Die neuen DDR-Störmanöver gegen den innerdeutschen Reise- und Güterverkehr lieferten Deutschen und Jugoslawen Mitte voriger Woche unerwarteten Gesprächsstoff. Brandt mußte seinen Jugoslawien-Besuch wegen der Krisengefahr auf den Berliner Zufahrtswegen um zwei Tage verkürzen.

Ansonsten standen deutsch-jugoslaw Probleme im Mittelpunkt derGespräche, die Brandt mit Außenminister Nikezie und Staatspräsident Titoführte. Esvui vereinbart,

• den Sichtvermerkzwangfür jugoslawische Touristen aufzuheben;

  • die Verhandlungenüber einen Handelsvertrag und ein Gastarbeiterabkommen im Herbst fortzusetzen;
  • ein Kulturabkommen alsbald zu unterzeichnen (ein deutscher Entwurf liget bereit vor) und Gespräche über eine engere technisch-wissensenschaftliche Zusammenarbeit aufzunehmen.

Während des Besuchs, für den sichAußenminister Nikezic in Bonn revanchieren wird, kamen auch deutsche Ostpolitik, die wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa und europäische Sicherheitsfragen zur Sprache. Elf Jahre nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Jugoslawien, kurz nach der Akkreditierung des neuen Bonner Botschafters Peter Blachstein in Belgrad, stellte Bundesaußminister Brandt befriedigt fest: Es gab mehr Berührungspunkte als man erwarten konnte.“