Von Ingrid Neumann

Die Kleinaktionäre der Langenbrahm AG konnten der Frage nur rhetorischen Wert beimessen. Ob das Unternehmen ein „Aschenputtel“ oder ein „Prinzeßchen“ sei, wollte einer von ihnen auf der vorletzten Hauptversammlung der einstigen Zechengesellschaft wissen. Die Antwort des Aufsichtsratsvorzitzenden war zurückhaltend.

Heute wissen sie es. Und wenn sie noch im Spiel sind, haben sie ihre Freude an der Antwort: Für 1967 schüttet die Langenbrahm AG auf Vorzugsaktien 26 Prozent und auf Stammaktien 25 Prozent aus. Ein wenig verschämt wird dies als „Dividende plus Bonus“ deklariert.

Das ist eine Ausschüttung, die des stolzen Börsenkurses von 800 Punkten würdig ist. Bis vor drei Jahren notierten die Langenbrahm-Aktien weit unter pari.

Das gute Ergebnis haben die wenigen verbliebenen Langenbrahm-Aktionäre nicht zuletzt dem Steuerzahler zu verdanken, denn wie andere Zechenunternehmen auch, profitierte die Firma von den Stillegungsprämien, die der Rationalisierungsverband des Ruhrbergbaus für die Schließung von Kohlenzechen zahlte. (Seit dem letzten Jahr ist ein neues Verfahren in Kraft.)

275 Millionen Mark sind für diese Stillegungsaktion bereitgestellt worden, die Hälfte davon muß der Steuerzahler als direkte Subventionen tragen. Für jede Tonne stillgelegter Förderung erhielt das Unternehmen 25 Mark Grundprämie.

Auf diese Weise sind über den Rationalisierungsverband bisher 27 Zechen stillgelegt worden – ohne daß damit die Kohlenkrise gelöst worden wäre. Nicht selten sank durch Stillegungen auch keineswegs die Fördermenge, denn die Zechenunternehmen holten Kohle nun aus anderen Pütts. Es blieb lediglich ein von der Allgemeinheit finanzierter Rationalisierungseffekt.