Wie steht es mit der Kinderfeindlichkeit? Nicht nur, daß es für Ehepaare mit Kindern schwierig ist, eine Wohnung zu finden – mehr noch weckt der Bau von Kinderspielplätzen nach wie vor spontanen Unmut ruhebeflissener Bürger. Autolärm, Flugzeuggeheul, Krach motorisierter Rasenmäher – damit finden sie sich ab, mit Kindern nicht.

Zwei Fälle: Als in einem Kölner Bezirk die ersten Spatenstiche zum Bau eines Kinderspielplatzes getan waren, protestierten die Anwohner und erwirkten beim Kölner Verwaltungsgericht eine einstweilige Anordnung gegen die Stadt. Ihr Argument: Der Kinderspielplatz sei um achtzig Meter gegenüber dem ursprünglichen Plan näher an die Häuser gerückt. Das Gericht gab zunächst dem Antrag statt. Inzwischen, ein Vierteljahr danach, ist der Stadt Köln in der Berufung recht gegeben worden: Der Platz kann nunmehr gebaut werden – trotz Lärmbelästigung.

In Hannover haben sich 150 Bürger im Protest gegen einen Spielplatz zusammengefunden. Einziges Argument: Lärmbelästigung durch spielende Kinder. Hier fegten die Behörden den Bürgerprotest ziemlich schnell vom Tisch: Wenn Kinder, um zu ihrem Spielplatz zu kommen, erst ein paar Straßen überqueren müßten – und das sei der Fall, wenn man den Platz verlegte –, würde man sie gefährden.

Leben Großstadtmenschen zwiespältig? Stirbt ein Kind auf der Straße oder wird es Opfer eines Verbrechens, gar eines Sittlichkeitsverbrechens, so lassen sie ihren Emotionen freien Lauf. Geht es aber darum, Kinder zu schützen und ihnen zu helfen, so betrachten sie das als ein unerhörtes Opfer und reagieren abweisend.

In Hannover und in Köln haben sich die Behörden gegen die Bürger durchgesetzt – für die Kinder von Bürgern. „Es darf doch nicht sein, daß in Köln die Hunde mehr Rechte haben als die Kinder!“ Das sagte Dr. Birsch, der Sozialdezernent der Stadt Köln. sty