Ein Autofahrer fuhr auf der Autobahn links, weil er eine Autokolonne überholte. Hinter ihm fühlte sich ein Polizeiwagen behindert. Der Autofahrer bekam eine Strafanzeige: 100 Mark. Damit ging er vor Gericht. Er argumentierte: Die Abstände zwischen den Autos war zu klein, ein dauerndes Slalomfahren wäre zu gefährlich und daher unzumutbar gewesen. In diesem Fall sogar besonders gefährlich, denn es regnete, und ein überholendes Fahrzeug nimmt bei Regen, wenn es zu knapp wieder einschert, durch einen Schwall von Schmutzwasser dem Nachfolgenden die Sicht. Es gibt Richter, die solche Einwände anerkannt haben. Aber in diesem Fall war ja die Polizei behindert worden. Trotzdem fruchteten die Belehrungen der Richter nicht. Noch im Schlußwort verteidigte dieser Kohlhaas seine Rechtsüberzeugung und betonte: In einer gleichen Situation würde er wieder so fahren. So etwas lassen deutsche Richter nicht durchgehen – und sei der Fall noch so umstritten. Wer es wagt, gegen richterliche Autorität eine eigene Meinung zu haben, der muß geduckt werden – wie ein Schuljunge. Die Richter überzeugten den Angeklagten auf ihre souveräne Art: Erhöhung der Geldstrafe auf 150 Mark. Das Urteil wurde in der Revision bestätigt.