Wirtschaft

Ulbrichts Wegezoll: Millionen für Pankow

Im neuen Gebäude des DDR Außenwirtschaftsministeriums in Berlin Unter den Linden ist man eine große Sorge los. Es war schwierig geworden, die 1966 und 1967 entstandene Verschuldung gegenüber der Bundesrepublik termingerecht abzubauen.

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DIE ZEIT

Fragezeichen über Frankreich

Am nächsten und übernächsten Sonntag wird Frankreich wählen. Noch zittert die Unruhe der Aufruhrwochen im Lande nach. Bis kurz vor dem ersten Wahltag wehten über seinen Universitäten die roten Fahnen der Revolution und die schwarzen der Anarchie; und noch immer flackerte der Streik in einigen Herden weiter.

Empörung – kein Ersatz für Politik

Empörung ist zu allen Zeiten ein schlechter Ratgeber gewesen, und nie ein Ersatz für Politik Die Gefühlsaufwallungen sind verständlich, die Ulbrichts Berlin-Maßnahmen hierzulande ausgelöst haben; sie sind berechtigt.

ZEITSPIEGEL

„Der Präsident der Vereinigten Staaten sollte im Idealfall ein Mann der Stärke und der Großzügigkeit sein. Und man darf bezweifeln, ob Vize-Präsident Humphrey das erste und Senator McCarthy das zweite besitzt.

Im Fahrstuhl zum Schafott?

Mauch einer ist enttäuscht, der ihn bei einem offiziellen Interview erlebt hat. Groß, korpulent, unbeweglich und knopfäugig sitzt er da und ist zu keiner falschen, aber auch zu keiner originellen Antwort zu bewegen – ein biederer, nicht untüchtiger Funktionär, der es relativ weit gebracht hat.

Die innere Stabilität Polens ist durch die heftigen Auseinandersetzungen um die „unbewältigte Vergangenheit“ bedroht: Gomulkas Gang auf schmalem Grat

Ein Tuscheln ging durch den Saal. Wenige Minuten vor dem Beginn der Junisitzung des „Gesamtpolnischen Komitees der Nationalen Front“ ging deren Sekretär, der Nationalen Marzec, auf den katholischen Abgeordneten Zawieyski zu, der sich in die hinteren Reihen verdrückt hatte: „Aber Herr Zawieyski, Sie gehören doch zu uns an den Präsidiumstisch!“ Es war der gleiche katholische Abgeordnete, der sich selbst sechs Wochen vorher im Sejm eine Art politische Leichenrede gehalten hatte.

Schubs nach vorn in Belgrad

Keinen Augenblick ließen die Jugoslawen den Bundesaußenminister spüren, daß es ein Canossa-Gang war, der ihn nach Belgrad geführt hatte.

Johnson läuft weiter auf Entspannungskurs

In der vergangenen Woche wurden in einer kaum beachteten Zeremonie im Weißen Haus die Ratifikationsurkunden zum Konsularvertrag zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten ausgetauscht – dem ersten und bisher einzigen streng bilateralen Vertrag, der jemals zwischen den beiden Ländern in den 35 Jahren geschlossen wurde, seit denen sie miteinander diplomatische Beziehungen unterhalten.

Gestempelte Souveränität

Die Hiobsbotschaft war gerade 24 Stunden alt: Visazwang auf den Zufahrtswegen nach Westberlin. Und Tausende Berliner lägen sich freudetrunken in den Armen.

Bonns Stellung nicht bedroht

Fünfundneunzig Staaten haben den Atomsperrvertrag in der Vollversammlung der Vereinten Nationen gebilligt. Eine überwältigende Mehrheit – aber Präsident Johnson war der einzige Staatsmann, der diese Zustimmung mit einem Hauch von Enthusiasmus würdigte.

Giaps Zweifrontenkrieg

Wer mit Kommunisten verhandeln will, muß sich mit Geduld wappnen. Die Amerikaner, gewitzt durch ihre Erfahrungen in Korea und Laos, durch das jahrelange Palaver um den österreichischen Staatsvertrag und ihre endlosen Botschaftergespräche mit den Chinesen, hatten sich bei den Pariser Vorverhandlungen mit Nordvietnam von vornherein auf ein langes und zähes Ringen eingestellt.

Helmut Schmidt zieht Bilanz:: Jetzt Versäumnisse wettmachen

Schmidt: Es ist in erster Linie ein Führungsproblem insofern, als die politische Führung dieser Partei das Unbehagen an der Großen Koalition, zwar ihrer Tendenz nach richtig, aber ihrem Gewicht nach zu gering eingeschätzt hatte.

SPD-Sorgen um das Wahlrecht

Am Wochenende werden sich die Führungsgremien der SPD (Parteivorstand, Parteirat Und Kontrollkommission) mit dem Vorschlag der sozialdemokratischen Wahlrechtskommission befassen, die sich unter Vorsitz des baden-württembergischen Innenministers Krause einmütig für ein mehrheitsbildendes Wahlrecht ausgesprochen hat.

Erfolg in Belgrad

Belgrad und Bonn hatten die jugoslawische Reise von Bundesaußenminister Willy Brandt fünf Wochen lang geplant. Doch Ostberlin brachte das Besuchsprogramm noch in der letzten Minute durcheinander.

Sperrvertrag: Über die Hürde

US-Präsident Johnson, der überraschend nach New York gereist war, würdigte die Zustimmung der Weltorganisation als das „wichtigste internationale Übereinkommen seit Beginn des Atomzeitalters“.

De Gaulle ließ Salan frei

Die Anordnungen des Generals straften Frankreichs rebellische Linke und schmeichelten der extremen Rechten. So wurde zwar Cohn-Bendits „Bewegung des 22.

Notstand: Länder sagten „ja“

Das kam einer kleinen Überraschung gleich. Bedenken hatten sich nämlich bis zuletzt unter anderem gegen die Ausschaltung des Rechtsweges bei Post- und Telephonkontrollen und gegen die Dienstleistungspflicht von Frauen gerichtet.

Schlacht um Saigon

Bei den Pariser Vietnam-Gesprächen hat der amerikanische Chefdelegierte Averell Harriman zum erstenmal harte Töne angeschlagen: Er teilte den kommunistischen Unterhändlern Mitte der vorigen Woche mit, daß die fortwährenden Raketenüberfälle auf die südvietnamesische Hauptstadt Saigon eine Situation heraufbeschworen haben, „die für diese Gespräche die ernstesten Konsequenzen haben könnte“.

Berliner Krisen – Chronik

4. Mai 1949: Die vier Mächte vereinbaren in New York eine Beendigung der Berlin-Blockade. Hauptpunkt des „Jessup-Malik-Abkommens“: „Alle Einschränkungen, welche von der Sowjetregierung .

Namen der Woche

Dwight D. Eisenhower (77), US-Präsident von 1953 bis 1960, erlitt die zweite Herzattacke dieses Jahres, die fünfte seit 1965.

Von ZEIT zu ZEIT

Bundesaußen- minister Brandt reiste zu einem überraschenden Krisengespräch mit Moskaus Botschafter in Ostberlin, Abrassimow, in die DDR.

Prüfung und Angst

Nach durchschnittlich fünfeinhalb Studienjahren unterziehen sich in der Bundesrepublik etwa 32 000 Studierende (1966) Staats-, Diplom-, Magister- oder Doktorprüfungen.

Die Qual geprüft zu werden

Es fehlt an soziologischen Untersuchungen, die für eine Antwort ausreichten. Wer da eher an Zusammenhänge als an Zufälle glaubt, könnte seine Überzeugung stützen auf leichter Nachweisbares: Es ist gewiß kein Zufall, daß rebellische Oberschüler viel unverblümter von den Prüfungen als Ursache ihres Unbebehagens sprechen als rebellierende Studenten, die bei weniger „Klassengeist“ immer befürchten müssen, ihre Revolte könnte als Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit verharmlost und mißdeutet werden.

Kunstkalender

Kunsthistorische und theologische Intentionen verfolgt die diesjährige Villa-Hügel-Schau, die zum Katholikentag 1968 in Essen veranstaltet wird.

Kleines Kunst-Glossar

„Kunstform, die einen ganzen Raum (oder Außenraum) füllt, die den Betrachter umgibt und aus allem möglichen Material besteht, Ton, Licht und Geruch eingeschlossen“, so definierte Allan Kaprow, der amerikanische Happening-Künstler.

Kegels Beispiel

Wir sind froh, daß wir Hans Werner Henze mit seinem Werk „Das Floß der Medusa“, das dem Andenken Ché Guevaras gewidmet ist, für unsere Reihe „Komponisten dirigieren eigene Werke“ gewinnen konnten.

Fehlingsehe Augenblicke

Das Geheimnis Fehlings blieb wirksam. Seit er (1955) die Einsamkeit hatte aufsuchen müssen, stellte sich die Frage nach seinem Alter nie.

ZEITMOSAIK

Man kann mit jeder Religion, jeder Moral, jedem Brauch seinen Spott treiben, man kann den Bürgerkrieg predigen, die Brandstiftung und die Plünderung.

SALVATORE QUASIMODO:: Eine Septembernacht

Siebenundsechzig Jahre alt, starb am 14. Juni in Amalfi an einem Gehirnschlag der Nobelpreisträger des Jahres 1959, der Lyriker Salvatore Quasimodo, Der Preis brachte ihm nicht nur späten Ruhm: Mancher empfand ihn auch als etwas zu groß für ihn, den stillen Außenseiter, der sicher nicht zu den wegweisenden Gestalten der zeitgenössischen Literatur gehörte und den einige seiner Gedichte doch noch eine Weile überleben werden.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Sie wohnt in Heidelberg in einem Zigeunerwagen; ihre Nachschlagewerke sind Märchenbuch und Katechismus; die Zeitung liest sie mit Aufmerksamkeit.

Akademische Entgleisung

Im Wettbewerb der deutschen Universitäten um Bruchstücke der Hochschulreform kann sich die Gießener Studentenschaft rühmen, als erste einen kleinen Demokratisierungstriumph errungen zu haben.

FILMTIPS

„Die Braut trug Schwarz“, von François Truffaut. „Die Straße von Korinth“, von Claude Chabrol. „Ein Liebesfail“, von Dušan Makavejev.

Wahnsinn mit Esprit

Peter Palitzschs Stuttgarter „Hauptgeschäft“ (man darf auf die zyklische Inszenierung der Shakespeareschen Königsdramen Goethes Bezeichnung für die Arbeit am „Faust“ wohl anwenden) ist nach zwei ersten Abenden der „Rosenkriege“ bei „Richard III.

Gewußt wie

An einem sonnigen Herbstmorgen im Oktober 1960 besuchte der Vorsitzende des Staatsrates das Ernst-Haeckel-Museum in Jena. Vor der „Villa Medusa“, dem früheren Wohnhaus des weltbekannten deutschen Biologen, hatten sich junge Pioniere und ergraute Gelehrte eingefunden, um Walter Ulbricht herzlich zu begrüßen.

Mit eigener Feder

Ein brillanter Einfall, diese beiden Stücke miteinander zu kombinieren, Robert Neumanns „Luise“ und Martin Walsers „Zimmerschlacht“ (I.

Zwischen Sexualität und Politik

Das Oeuvre von Georges Bataille wird in Deutschland zu einer Zeit veröffentlicht, da politische und sexuelle Revolution in trautem Durcheinander die Öffentlichkeit beschäftigen.

ZU EMPFEHLEN

ES GEFÄLLT mir dieses aus einer Sendereihe des Hessischen Rundfunks hervorgegangene Buch, weil die den Autoren gestellte Frage nach ihrem Verhältnis zur literarischen Tradition jeweils auf ein einziges Vorbild – und die sich wandelnde Beziehung des Befragten zu ihm – eingeschränkt wurde.

Der totale Angriff

Sie bedrohen niemanden, sie sind nicht neidisch auf unsere gekachelten Badezimmer und nicht scharf auf unser Service silberner Dessertgabeln.

Agitation unter der Akropolis

Stefan Georges letzte Jünger, die versprengten Priester der Feierlichkeit, werden die Nase rümpfen und dem Verfasser vorwerfen, er habe den Kothurn mit den Gossenschuhen vertauscht: Kreons Thebaner als kuschende Bürger, den Herold aus Euripides’ Troerinnen als einen SS-Mann, der sich unter dem Tannenbaum sentimental gibt, und die sizilianische Expedition – den imperialistischen Raubkrieg Athens – als ein Stalingrad-Unternehmen bezeichnet zu sehen, mag die verspäteten Anwälte der stillen Einfalt und edlen Größe schon ein wenig verärgern.

Doktrinär

Es steht schlimm um die Künstler dieser Zeit: Schicksal und Gesinnung fehlen. Also klagte ein Hans F. K. Günther 1920 in „Ritter Tod und Teufel“.

Fernsehen: Momentaufnahmen

Interview mit einem Vorsitzenden: Ludwig Rosenberg, in Moskau interviewt und aus großer Distanz photographiert, sprach bedächtig und abgewogen, im Kommuniqué-Stil, über die Gespräche mit seinem Kollegen aus der Sowjet-Union, akzentuierte jedes Wort, ließ Pausen zu Satzzeichen werden .

Gold aus der Kohlengrube

Die Kleinaktionäre der Langenbrahm AG konnten der Frage nur rhetorischen Wert beimessen. Ob das Unternehmen ein „Aschenputtel“ oder ein „Prinzeßchen“ sei, wollte einer von ihnen auf der vorletzten Hauptversammlung der einstigen Zechengesellschaft wissen.

Kapitalismus im Übergang

Wenn sich Völker nach vernünftigen Kriterien entscheiden würden, dann müßte die ganze Welt kapitalistisch sein. Keine andere Wirtschaftsordnung ist so leistungsfähig, kann gleichzeitig Wohlstand und Freiheit versprechen.

Einsicht

Erich Diederichs, Vorstandsmitglied der Edeka-Zentrale, hat vor kurzem den Kaufleuten seiner Genossenschaftsorganisation in Wiesbaden ein ungeschminktes Bild ihrer Zukunftsaussichten gegeben.

Wolfgang Müller-Haeseler:: Wird die D-Mark überfordert?

Die D-Mark wird gegenwärtig von mehreren Seiten zugleich in die Zange genommen. Von Amerika angefangen über England und den Internationalen Währungsfond bis hin zu Frankreich möchte jeder, der irgendwie in währungspolitische Schwierigkeiten geraten ist, die Bundesrepublik zur Kasse bitten.

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