Friedrich Torbergs Roman „Die Mannschaft“, der 1935 in Wien erschien und im „Altreich“ so gut wie unbekannt blieb, erlebt jetzt eine Neuauflage.

Die ersten Besprechungen sind zwiespältig. „Spiegel“ und „Christ und Welt“ geben sich fast amüsiert oder werten das Buch mehr als einen Ausrutscher des jungen Autors des Bestsellers „Der Schüler Gerber hat absolviert“. Die „Welt“ dagegen feiert in hohen Tönen diesen Sportroman als Klassiker, und auch Walter Schmieding beurteilte ihn vor der Kamera anerkennend und verständnisvoll.

Diese Diskrepanz in der Beurteilung ist leicht zu erklären. In der „Welt“ besprach der frühere Sportredakteur und jetzige Englandkorrespondem Fritz Wirth das Buch, das Torberg als „eines seiner wichtigsten“ bezeichnet. Und auch Schmieding kennt sich im Sport gut aus. Wer sich aber wie viele deutsche Literaten und Kritiker in dem berühmten Elfenbeinturm verschließt und glaubt, eine der großen Faszinationen unserer Zeit wie den Sport als quantité négligeable behandeln zu können, wird diesem bedeutenden Ronan natürlich nicht gerecht werden.

Erstaunlich, daß Torberg ausgerechnet den Amateursport der – zwanziger Jahre zum Hintergrund wählt, wo doch behauptet wurde, nur der Profisport mit seiner „existentiellen Situation“ könne einen echten Romanstoff abgeben. Aber es zeigt sich, daß eben dort, wo letzte menschliche Hingabe entscheidet, auch „existentielle Situationen“ da sind. Ein Amateursportler, der um das große Ziel, etwa eine Meisterschaft, kämpft, ist bereit, dafür alles zu opfern – selbst seine Gesundheit!

Der Roman trägt starke autobiographische Züge, der Autor war, wie übrigens auch Alfred Neumann, damals ein bekannter Wasserballspieler, der es später in Prag sogar zu internationalen Erfolgen brachte. Die „Mannschaft“ ist deshalb auch ein Wasserballteam. Kein Wunder, daß in dem Roman jedes Detail stimmt. Aber nicht nur die echte Milieuschilderung, sondern vor allem das faszinierende Psychogramm eines empfindsamen Hochleistungssportlers macht den eigentlichen Reiz des Buches aus.

Torberg versteht die Kunst, feinsten Seelenregungen nachzuspüren, und er hatte 1935 längst erkannt, was nun die sportmedizinische Wissenschaft allmählich erarbeitet, daß der sogenannte Spitzensportler oft alles andere als ein Muskelprotz und Berserker ist, sondern in seinem psychischen Verhalten eher dem Künstler ähnelt.

So ist Torbergs Harry kein strahlender, sondern ein sensibler „Held“, der den Weg vom Fußball zum Wasserball geht. Dort in der Mannschaft findet er trotz aller üblichen Spannungen Erfolg, aber auch Geborgenheit, bis er nach dem unerbittlichen Gesetz des Sports, das auch das unserer Leistungsgesellschaft ist, schließlich wegen seiner nachlassenden „Form“ aus dieser so geliebten Mannschaft verstoßen werden muß, da er sich stärker seiner Berufsausbildung zugewendet hat.