Nach vereinzelter Verwendung von Kunststoffen für plastische Arbeiten seit den zwanziger Jahren macht der Umgang mit Kunststoffen heute ein unübersehbares Feld in der aktuellen Kunst aus. Leichte, industrielle Vervielfältigung, große Auswahlmöglichkeiten, Witterungsbeständigkeit, geringes Gewicht sprechen für die allgemeine Verwendung. Etwa fünfzig verschiedene Kunststoffarten sind heute auf dem Markt, auch in der Bemalung hat die wasserlösliche, schnelltrocknende Acrylfarbe die Ölfarbe weitgehend abgelöst. Der Verbrauch von Kunststoffen in Westdeutschland beträgt pro Person etwa 30 kg, 30 Prozent der Kunststoffproduktion werden zur Zeit im Bau verwendet. So erlauben faserverstärkte Werkstoffe Trägerstrukturen, die kaum etwas mit der gewohnten Stahlkonstruktion zu tun haben. In Form dünner Fäden, die einem anderen Baustoff eingelagert werden, erweisen sich Graphit, Karborund, Bor, Glas als physikalisch ideale Stoffe. Zweikomponenten-Schaumstoffe, auch Polyurethan-Schaumstoffe genannt, ermöglichen im Gießverfahren jegliche Gestaltung, die dann mit Polyesterharz gehärtet werden kann. Polyester und Glasfasern sind hochwillkommene Kunststoffe, mit denen sich Künstler heute an bislang unausgeführte Formkomplexe machen. Über die allgemeine Verwendbarkeit der Kunststoffe schreibt der Plastiker P. J. Geissler: "Ein Material, das sich sägen, bohren, schweißen, kleben, fräsen und drehen läßt, das weich, hart, kochfeste säurebeständig, glasklar oder milchig hergestellt werden kann, ein Material, das man mit der Hand formen, ohne Hitze gießen, pressen, spritzen und schleudern kann, ein solch vielseitiges Material stößt zwangsläufig bei Künstlern auf allergrößtes Interesse."

Minimal Art

Ein Begriff, der für eine formal stark reduzierte Malerei und Plastik geprägt wurde. Im Zusammenhang mit ihm stehen weitere Begriffe wie ABC-Kunst, von der amerikanischen Kritikerin Barbara Rose vorgeschlagen, Primär-Strukturen, Systemic Painting. Letzterer Begriff, von Lawrence Alloway 1964 ins Spiel gebricht, stand über einer von ihm Ende 1966 im Guggenheim-Museum, New York, organisierten Ausstellung. "Was man nun benötigt", schrieb er dazu, "ist eine Theorie des syntaktischen Ganzen von Kunstwerken. Folglich meint systemic ‚arrangiert oder geführt nach einen System, einem Plan oder einer organisierten Methode‘." Als Gestaltungsprinzip drang die Minimal Art seit 1962/63 in die Öffentlichkeit; zweifellos aber läßt sich eine formverwandte Kunst viel weiter zurückverfolgen. Die Rigorosität jedoch, mit der die Künstler nunmehr den Entwurf einer systematisierten und reduzierten Gestaltung angingen, die neue Dimension der Plastik und der Bilder, die zunehmende Verwendung von Kunststoffen, Kunstlicht, synthetischen Farben unterscheiden diese Werke von denen konkreter Künstler seit den zwanziger Jahren. Wichtig war, daß Bild und Plastik ihren Charakter als Einmaliges mehr und mehr verloren. So konnten sie in räumlichen Reihen oder Gruppen auftreten, wobei die einzelnen Teile häufig austauschbar waren.

Multiples

Auflagenobjekte. Obgleich der Gebrauch des Wortes bislang nicht einheitlich war, sollte mar sich darauf einigen, keine druckgraphischen Techniken (Litho, Radierung, Serigraphie), sondern nur das als begrenzte oder unbegrenzte Auflage geplante Objekt als Multiple zu bezeichnen. Die Vorstellung vom Original wird hierbei sinnlos, original ist der auf Reproduzierbarkeit angelegte Entwurf (die Produktionsanleitung). Dabei spielt es keine Rolle, ob die Auflage dann vom Künstler selbst, unter seiner Aufsicht oder ganz unabhängig von ihm realisiert wird. Die Verbreitung der Multiples wird von aktuellen Materialien und industriellen Herstellungsprozessen gefördert. Der Preis wird im allgemeinen so niedrig gehalten, daß man durch ihn eine breitere Käuferschicht erreichen kann.

Ornament

In den sechziger Jahren kam es, zumeist in Deutschland, zu einer Überprüfung des Begriffes Ornament aus der Theorie und aus der Praxis heraus. Das Tabu, das seit dem Funktionalismus jede Ornament-Diskussion lahmgelegt hatte, galt nicht länger, in der "elementaren Ornamentik" (W. Grözinger) wurde eine Vorstufe der Mathematik nachgewiesen. Auf dem Weg einer Systematisierung des Informel gelangten zahlreiche Künstler zu ornamentnahen Ergebnissen. Schließlich wurde der Ornament-Begriff an Hand der zeitgenössischen industriellen architektonischen Design-Produktion überprüft, er wurde damit aus einer kunstimmanenten Begrenzung herausgeführt und erweist sich heute als Träger oder Instrument veränderter Strukturen des Bildens, unabhängig von stilistischer Festlegung.