Herr Kramer, Sie haben kürzlich davon gesprochen, daß die bildende Kunst, um konkurrenzfähig zu bleiben, industrialisiert werden muß. Können Sie Ihren Plan, Kunst als Industrieprodukt, auf einen faßlichen Nenner bringen?

„Ich denke daran, Plastiken serienmäßig in Zusammenarbeit mit der Industrie herzustellen. Die industrielle Fertigung ermöglicht ein künstlerisches Programm nahezu fehlerfrei und vollständig zu realisieren und die Ergebnisse zu Preisen anzubieten, die der allgemeinen Marktlage gerecht werden. Es ist abzusehen, daß wir, die unabhängigen Einzelgänger, nicht bleiben können, die wir waren und daß die Kunst gezwungen ist, sich in die Kette aus Marktforschung, Serienproduktion und Vertriebsapparaten einzureihen.“

Welche Schritte in dieser Richtung haben Sie unternommen?

„Der Plan wartet auf seine Verwirklichung. Der Aufbau eines neuen Industriezweiges ist schwierig und erfordert viel Kapital. Meine Hoffnung ist, daß sich in naher Zukunft der Austausch zwischen künstlerischer und industrieller Erfahrung auch seitens der Industrie belebt.“

Führt Plastik als Industrieware nicht unweigerlich zur Abwertung des Originalgedankens?

„Industrielle Kunst ist primär und im Gegensatz zu den Multiples nicht Vervielfältigung von Originalen. Es geht von vornherein nicht um Originale. Ihre Auflagen sind theoretisch unbegrenzt. Der Begriff des Originals taucht im Produktionsprozeß nirgendwo auf. Auch der Industrieentwurf ist nicht unbedingt aus dem Material, aus dem später die Ware entsteht. Der Entwurf einer Autokarosse wird in seiner ersten Form aus Gips oder Holz erstellt und kann gegenüber den danach gepreßten Blechen keineswegs den Anspruch eines Originals erheben.“

Es scheint, Sie wollen überhaupt den Anspruch des einmaligen, unreproduzierbaren wie den des vervielfältigten Originals fallenlassen.